Iraner protestieren in den sozialen Medien gegen den Kopftuchzwang. Auf den Fotos, die gepostet werden, tragen Männer den Hijab, die Frauen sind demonstrativ nicht verschleiert.

Egal, ob ihr als Frau im Iran lebt oder nur als Touristin dort hinreist: die Kopftuchpflicht gilt für alle. Mit der Islamischen Revolution und dem Sturz der Monarchie wurde sie 1979 eingeführt. Unter den Hashtag #MenInHijab hat die iranische Journalistin Mashi Alinejad zu diesem Protest in den sozialen Medien aufgerufen. Die Journalistin lebt im Exil in England. Sie ist die Gründerin der Facebook-Seite My Stealthy Freedom.

"Der Kopftuchzwang ist eine immense Grausamkeit der einen Hälfte der Bevölkerung gegenüber und eine riesige Beleidigung der anderen Hälfte gegenüber."
Ein iranischer Mann, der in den sozialen Medien gegen den Kopftuchzwang protestiert

Ein Besuch des iranischen Außenministers Mohammed Dschawad Sarif hatte die Journalistin dazu veranlasst, zum Protest in den sozialen Medien aufzurufen. Sarif hatte gesagt, dass Frauen, die zu Besuch im Iran sind, aus Respekt gerne die Kopftuchpflicht einhalten würden.

"Wenn Außenminister Sarif gezwungen gewesen wäre, ab dem siebten Lebensjahr ein Kopftuch zu tragen, würde er verstehen, wie Frauen, die nicht an die Kopftuchpflicht glauben, sich damit fühlen."
Mashi Alinejad, iranische Journalistin

Beamte gehen in der Öffentlichkeit sehr willkürlich gegen die Bevölkerung vor. Laut iranischer Polizei wurden 2014 im Iran 3,6 Millionen Frauen belangt, weil ihre Haare nicht ausreichend mit dem Hijab bedeckt waren. Im April 2016 wurde die Sittenpolizei in Teheran um weitere 7000 Zivilbeamte aufgestockt. Auch die Cyberpolizei ist im Iran sehr aktiv. Im Mai 2016 gingen Polizisten gegen Nutzer in den sozialen Medien vor, die Fotos von Frauen ohne Kopftuch gepostet hatten. Laut iranischer Behörden wurden 58 Models, 59 Fotografen und Maskenbildner identifiziert und acht von ihnen festgenommen.