Bei Isländern verrät der Nachname, wer der Papa ist. Denn im Nachnamen versteckt sich der Vorname des Vaters, bei der Tochter und beim Sohn. Island hat ein striktes Namenssystem. Vornamen wie Harriet oder Duncan sind nicht vorgesehen. Doch genau so heißen zwei isländische Kinder.

In Island ist das Telefonbuch anders gestrickt: die Sortierung erfolgt per Vornamen. Und da es nur 320.000 Isländer gibt, gibt es auch nur ein Telefonbuch. Vornamen sind in Island entscheidend und vor allem die Vornamen der Väter. Denn der Nachwuchs trägt den Vornamen des Vaters als eigenen Nachnamen plus Zusatz - "son" bekommen die Söhne, "dóttir" die Töchter. Nikulás Óskarsson ist also der Sohn von Óskar. Und Brá Óskarsdóttir ist die Tochter von Óskar.

Ein aufgeschlagenes Telefonbuch mit isländischen Namen und Nummern.
© Jessica Sturmberg
Baldey, Bebba oder Brá. Geht! Aber Harriet zum Beispiel nicht.

Ein einmaliges Namenssystem, das geschützt werden soll. Denn Isländer wollen ihrem Nachwuchs gerne moderne Vornamen geben, wie zum Beispiel Harriet oder Duncan. Doch Vornamen prägen in Island eben auch die Nachnamen und verändern das Namenssystem.

Es gibt rund 3500 Vornamen - das muss reichen

Um dieses System zu schützen gibt es sogar eine Namensliste mit rund 1800 weiblichen und etwa 1700 männlichen Vornamen. Bekommt ein isländisches Kind einen Vornamen, der nicht auf der Liste steht, dann entscheidet ein isländisches Namenskomitee. So zum Beispiel im Fall von Harriet und Duncan.

So haben nämlich Tristan Cardew, Brite, und seine Frau Kristin, Isländerin, ihre beiden Kinder genannt. Das ist mehr als zehn Jahre her. Und so lange dauert auch der Streit zwischen dem Ehepaar und den Behörden.

Die Behörden verweigern neue Pässe

Bislang sind die beiden Kinder lediglich als "Junge" und "Mädchen" registriert - so steht es auch in ihren Pässen. Doch nun hat sich der Konflikt zugespitzt. Denn die Behörden wollen Tochter Harriet den Pass nicht verlängern.

Die Entscheidungen des Namenskomitees sind nicht immer durchschaubar. Wichtig ist zum Beispiel, dass Vornamen konjugierbar sein müssen. Auch müssen Namen isländisch geschrieben werden können, wie zum Beispiel Lydía oder Salóme.

Die Eltern von Harriet und Duncan jedenfalls wollen nicht aufgeben. Sie wollen für die Vornamen ihrer Kinder kämpfen - und auch für deren Pässe.