Die zehn Beratungsstellen von "U-25" sind normalerweise für junge Erwachsene da, die suizidgefährdet sind. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde das Angebot erweitert: Auch wer Probleme im Alltag hat, kann sich jetzt per Mail an gleichaltrige Beratende wenden.

Für viele von uns hat sich der Alltag verändert. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten und können viele von uns nicht mehr zur Schule oder zur Uni gehen, nutzen diese Bildungsangebote zurzeit nur über Videokonferenz-Tools und müssen ihre Arbeit im Homeoffice erledigen. Auch Treffen in zum Beispiel Vereinen war/ist nicht möglich.

"Es scheint so zu sein, dass durch die aktuelle Corona-Lage gerade Jugendliche und junge Erwachsene besonders von der Krise betroffen sind, weil sie ihr Studium nicht weiterführen oder nicht mehr zur Schule gehen können."
Chantal Abt, Beraterin bei "U-25-Gelsenkirchen" für den Alltag in Zeiten von Corona

Die zehn Standorte von "U-25" bieten normalerweise Suizidberatung für junge Erwachsene an. Das Projekt gehört zum Caritasverband.

Die Jugendlichen können sich per Mail an die Beratenden wenden und die sind in der Regel gleichaltrig mit den Hilfesuchenden. Die anonyme Kontaktaufnahme per Mail dient dazu, dass die Hemmschwelle möglichst niedrig ist. Denn vielen fällt es schwer, direkt zu einem Arzt oder Therapeuten zu gehen.

Mail-Beratung im Corona-Alltag

Das Projekt wird vom Familienministerium gefördert und hat sein Angebot von Mai bis Dezember erweitert. Bei der Krisenberatung "Gemeinsam statt einsam" können sich jetzt auch junge Erwachsene melden, die Schwierigkeiten durch den veränderten Alltag erleben, sich beispielsweise einsam oder isoliert fühlen oder familiäre Probleme haben.

Zuhören und weitervermitteln

Hilfesuchende melden sich anonym auf der Homepage an, schicken eine Nachricht und erhalten innerhalb 48 Stunden die erste Rückmeldung. Bis eine weitere Antwort kommt, kann schon mal eine Woche vergehen, weil die ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater oft noch studieren oder einen Vollzeitjob haben.

Janina ist eine der Beraterinnen und seit einem Jahr dabei. Sie nimmt an, dass es den jungen Erwachsenen, die Kontakt suchen, oft hilft die eigenen Probleme überhaupt einmal aufzuschreiben.

Ersetzt keine psychologische oder medizinische Beratung

Was die Beraterinnen und Berater anbieten, kann die Arbeit eines Therapeuten oder Mediziners nicht ersetzen. "Gemeinsam statt einsam" ist als Begleitung durch den Corona-Alltag gedacht.

In zehn Mails sollen die Hilfesuchenden mit Tipps unterstützt werden und an eine andere Stelle weitervermittelt werden: an einen Therapeuten, einen Arzt oder eine andere Beratungsstelle. Die Beraterin Janina sagt, dass es oft schon hilft, den Hilfesuchenden einfach zuzuhören, wenn sie ihre Probleme schildern.

"Häufig melden sich Menschen, die im direkten Umfeld keine Bezugsperson haben, mit der sie sprechen können."
Janina, Beraterin beim Projekt "Gemeinsam statt einsam", das die "U-25"-Beratungsstellen anbieten

Die Beraterinnen und Berater bei "Gemeinsam statt einsam" sind nah an den Hilfesuchenden dran: Sie sind zwischen 20 und 35 Jahre alt, kennen ihre Probleme, sind teilweise in einer ähnlichen Situation und können sich somit gut in ihre Klienten hineinversetzen. Für die ehrenamtlichen Mitarbeiter kann das belastend sein, deswegen tauscht sich das Beratungsteam regelmäßig in Supervisionen aus.

"Wir versuchen die Menschen, die sich an uns wenden, möglichst mit Tipps zu unterstützen in dieser Phase und wollen schauen, dass wir sie weitervermitteln, sei es zur Therapie, zum Arzt, zu einer anderen Beratungsstelle."
Chantal Abt, Beraterin bei "U-25-Gelsenkirchen" für den Alltag in Zeiten von Corona