Ultra-orthodoxe Juden müssen in Israel zum Militär +++ Riesenbrokkoli in München +++ Kurzer Auftritt von Uli Hoeneß vor Gericht

Dass die Wehrpflicht für Strengreligiöse in Israel kommt, das hat Parlamentsabgeordneter Mosche Gavni von der Partei Vereintes Thorajudentum vor Kurzem nicht geglaubt. Und doch ist es so gekommen – zum ersten Mal seit der Staatsgründung Israels müssen auch ultra-orthodoxe Juden zum Militär.

"Wir werden weiter die Thora studieren. Finanzminister Lapid soll seine Pläne für sich behalten, wir werden uns weiter allein der Religion widmen."
Parlamentsabgeordneter Mosche Gavni von der Partei Vereintes Thorajudentum

Zurzeit regiert in Israel eine Koalition ohne strengreligiöse Partei. Das wurde in der Knesset heute unmissverständlich klar: 67 von insgesamt 120 Abgeordneten waren in der dritten und letzten Lesung für eine Reform der Wehrpflicht. Die Opposition hat die Abstimmung boykottiert.

Die Gesetzesänderung sieht vor, dass zunächst eine gewisse Anzahl von strengreligiösen Juden eingezogen wird. Bis 2017 sollen das mehrere Tausend Männer pro Jahr sein. Wenn sich das System nicht bewährt und zu wenige Rekruten kommen, soll danach für alle Ultra-Orthodoxen über 18 die Wehrpflicht gelten. Wer ohne psychologisches Gutachten verweigert, der kann mit Haft bestraft werden. Es gibt aber noch Ausnahmen, und zwar für besonders begabte Studenten an jüdischen Religionsschulen.

"Solche Umwälzungen gibt es nicht ohne Aufruhr und Widerspruch. In ein paar Wochen Wogen glätten, dann gibt es ein neues gesellschaftliches Abkommen."
Yair Lapid, Newstalk

Ultra-Orthodoxe waren seit der Staatsgründung Israels 1949 vom Militärdienst befreit – falls sie sich Vollzeit dem Studium der Tora widmen. Damals betraf das aber nur ein paar Hundert. Heute ist von den rund acht Millionen Israelis etwa jeder Zehnte ein ultra-orthodoxer Jude. Das Problem: Die meisten sind arbeitslos und leben von staatlicher Hilfe. Deshalb wird ihnen oft vorgeworfen, dass sie die israelische Gesellschaft belasten.

Riesenbrokkoli in München

Ein paar Spaziergänger an der Isar in München haben sich heute vielleicht gewundert. Wer nämlich heute am Europäischen Patentamt vorbeigekommen ist, hätte denken können, da wird gegen Brokkoli protestiert. Der Riesenbrokkoli stammte von einem Bündnis aus Bauernverbänden, Umweltschutzorganisatoren und Pflanzenzüchtern.

Bei der Aktion haben die Veranstalter "Freiheit für den Brokkoli" gefordert und den angeblich größten Brokkoli der Welt aufgebaut. Drei Mal drei Meter groß. Das Bündnis "Keine Patente auf Saatgut!" kritisiert damit das Europäische Patentamt. Es geht darum, dass immer häufiger Patente für gewöhnliche, also keine genveränderten Züchtungen von Pflanzen an Großkonzerne erteilt werden.

Konkret richtete sich der Protest heute gegen ein Patent für eine spezielle Züchtung von Brokkoli - dem so genannten "geköpften Brokkoli", der angeblich durch einen höheren Kopf leichter geernet werden kann. Das Patent ging schon vor einem Jahr an eine Tochterfirma des US-Gentechnologie-Konzerns Monsanto.

Was sonst noch wichtig war

  • Im Fall Hoeneß wurden heute vor dem Landgericht München wohl die letzten Zeugen gehört. Experten von Finanzämtern kamen zu Wort, aber schon nach zwei Stunden war Schluss.
  • Einmal im Jahr benennt die Journalistenvereinigung "Reporter ohne Grenzen" die "Feinde des Internets". Diesmal stehen auch zwei westliche Geheimdienste auf der Liste: der US-amerikanische und der britische.
  • In Istanbul sind Zehntausende Menschen zusammengekommen, um zu protestieren und um einen Jugendlichen zu beerdigen. Der 15-Jährige war gestern gestorben. Seine Verletzungen hatte er sich schon im Sommer zugezogen, als er in eine Straßenschlacht geraten war.