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Ultranationalisten und radikale israelische und palästinensische Menschen bestimmen derzeit das Stimmungsbild im Nahost-Konflikt. Doch es gibt auch viele Menschen vor Ort, die für den Frieden in der Region sind. Allerdings bleiben sie in der Debatte meist ungehört.

Bombardierungen, Armeeeinsätze, Todesaufrufe – die Lage im Gazastreifen ist derzeit vor allem laut. Es sind die Rufe nach Krieg und das Pochen auf Ansprüche, die besonders viel Aufmerksamkeit erhalten. Doch es gibt auch Stimmen, die zur Deeskalation aufrufen und den Konflikt kritisch betrachten.

"Vor dem Hauptquartier der israelischen Armee hatten sich Mütter für den Frieden versammelt – manche von ihnen haben ihre Söhne im Krieg verloren, manche haben Kinder, die in der Armee sind."
Benjamin Hammer, ARD-Korrespondent für Israel und Palästina in Tel Aviv

Benjamin Hammer ist ARD-Korrespondent für Israel und Palästina und derzeit in Tel Aviv. Hier hat er vor dem Hauptquartier der israelischen Armee beispielsweise eine Versammlung der "Mütter für den Frieden" beobachtet. Allerdings waren es nur rund zwanzig Frauen – wenig Protest für ein Land mit neun Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern, sagt der Nahost-Experte.

Gemeinsame Demonstrationen von jüdischen und arabischen Menschen

Aber es gibt auch besonders eindrückliche Zusammenkünfte. Benjamin Hammer berichtet von einer Demonstration vor den Toren Jerusalems. In dieser Gegend leben jüdische und arabische Menschen friedlich zusammen - und gingen gegen die Spaltung auch gemeinsam und friedlich auf die Straße.

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Auf der palästinensischen Seite gibt es zwar jene, die mit ihren jüdischen Nachbarinnen und Nachbarn für Frieden demonstrieren. Doch die totalitäre und restriktive Organisation der Hamas unterdrücke vor allem im Gazastreifen und im Westjordanland kritische Stimmen, berichtet Benjamin Hammer.

Palästinensische Organisationen kritisieren Führung

In anderen Teilen gibt es aber Organisationen, die der Führung Korruption und veraltete Strukturen vorwerfen. Sie fordern zum Beispiel Wahlen. Der Eindruck unseres Korrespondenten ist aber auch, dass die kritischen Stimmen vor allem Israel Kriegsverbrechen vorwerfen, wenige bezeichnen die auch die palästinensischen Kriegsverbrechen als solche.

"Der Konflikt ist für die Menschen, die hier leben, schwer erträglich. Tel Aviv ist wie eine Blase, in der sie sich von den Problemen abkapseln. Das führt aber leider auch zur Entpolitisierung der Menschen."
Benjamin Hammer, ARD-Korrespondent für Israel und Palästina in Tel Aviv

Auf beiden Seiten gibt es zwar Menschen, die Frieden wollen, doch sie bleiben oft leise. Nahost-Experte Benjamin Hammer meint, das läge auch an einer Verdrossenheit. Der Konflikt dauert schon Jahrzehnte, viele hätten sich als Konsequenz entpolitisiert, um gut weiterleben zu können.

Mehrheit müsse sich lauter melden

Das werde aber zum Problem, in einer Zeit, in der radikale Minderheiten immer lauter und aggressiver werden. So sei Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zwar nicht rechtsextrem, dennoch verhandle er mit rechtsextremen jüdischen Politikern und toleriere rechtsextreme Positionen.

Das Land müsse sich nun fragen, ob tatsächlich eine Minderheit den Ton angeben solle und aggressive Mobs auf der Straße toleriert werden sollten. Sein Fazit ist: Ein richtiger Ruck gehe noch nicht durch Israel.