Die türkische Regierung plant aus der Istanbul-Konvention auszusteigen, einem völkerrechtlichen Vertrag, der Frauen vor Gewalt schützt. Türkische Frauen demonstrieren dagegen.

Tötungsdelikte gegen Frauen oder Mädchen, sogenannte Femizide, werden in Deutschland an jedem dritten Tag verübt. Ehemänner, Partner, und Ex-Freunde töten ihre aktuelle oder ehemalige Lebensgefährtin.

In der Türkei scheint die Situation noch dramatischer zu sein: Bis zu 50 Frauen sollen pro Monat getötet werden. Tendenz steigend. Einige Schätzungen liegen aufgrund der Dunkelziffer deutlich höher. Frauenorganisationen fordern in den Sozialen Netzwerken Gerechtigkeit. Viele glauben nicht daran, dass sie von der Polizei und den Gerichten Unterstützung erwarten können.

"Das türkische Regime will eine neue Gesellschaft erschaffen: Sie wollen Frauen früher aus der Bildung nehmen, Frauen sollen früher heiraten und so viele Kinder wie möglich zur Welt zu bringen.
Hülya Gülbahar, Rechtsanwältin

Ausstieg aus der Istanbul-Konvention?

Dabei gibt es ein Instrument zum Schutz der Frauen in der Türkei: Die Istanbul-Konvention. Das ist ein seit dem Jahr 2011 geltender völkerrechtlicher Vertrag zum Schutz von Frauen in Europa.

Die Unterzeichnerstaaten verpflichten sich, Maßnahmen zu ergreifen, um das Recht aller Frauen auf ein gewaltfreies Leben zu gewährleisten und zu schützen, im öffentlichen und im privaten Bereich.

Die türkische Politik soll seitdem zwar nichts unternommen haben, sagt unsere die in der Türkei lebende Journalistin Hülya Avtan, aber die Istanbul-Konvention galt den türkischen Frauen als Versprechen und Hoffnung, dass sich die Lage bessern kann.

Allerdings denkt die türkische Regierung seit dem Sommer 2020 laut darüber nach, aus der Konvention auszusteigen.

Widerstand regt sich bei türkischen Frauenorganisationen

Verschiedene türkische Frauengruppen haben eine Bewegung gestartet, sie nennen sie "Die Istanbul-Konvention rettet Leben". Die Anwältin Hülya Gülbahar ist eine der bekanntesten Figuren der Frauenbewegung.

Laut einer Umfrage sollen inzwischen 86 Prozent der Frauen in der Türkei der Frauenbewegung ihr Vertrauen schenken. Das zeige, dass die türkische Frauenbewegung in den letzten Monaten an Macht dazu gewonnen habe, wovon auch die Rechtsanwältin Hülya Gülbahar überzeugt ist.

"Im Juli zeigte eine Umfrage, dass 17 Prozent der Bevölkerung dafür waren, aus der Istanbul Konvention auszutreten. Dann startete unsere Kampagne. Bei der nächsten Umfrage, waren es schon nur noch 7 Prozent."
Hülya Gülbahar, Rechtsanwältin