Viele Frauen haben einmal im Monat heftige Beschwerden, weil sie ihre Periode bekommen. Oft so schlimm, dass sie nicht arbeiten können. In Italien könnten die Frauen bald deshalb freibekommen - bezahlt.

In Italien berät das Parlament darüber, ob die Frauen drei Tage bezahlten Urlaub pro Monat bekommen, wenn sie starke Menstruationsschmerzen haben. Treibende Kraft sind einige weibliche Abgeordnete aus dem Partido Democratico, sagt Lisa Weiß, die für DRadio Wissen aus Italien berichtet. Die Mitte-links-Partei, sie stellt mit Paolo Gentiloni derzeit den Ministerpräsidenten, hat eine Gesetzesinitiative gestartet. 

"Frauen, die unter starken Regelschmerzen leiden, sollen drei Tage frei bekommen. Das Ganze soll übersetzt Menstruationszeit heißen."
Lisa Weiß, Italienkorrespondentin

Frauen, die starke Beschwerden haben, müssen sich jedes Jahr eine Bescheinigung vom Facharzt holen, um jeden Monat drei Tage frei zu bekommen bei voller Bezahlung. Der Entwurf wurde bereits 2016 eingebracht.  

Pros und Cons zur Menstruationszeit

Die Befürworter des Gesetzes argumentieren, dass 60 bis 90 Prozent der italienischen Frauen unter Regelschmerzen leiden, und deshalb zwischen 5 und 15 Prozent der erwerbstätigen Frauen sowieso ausfallen. Einige Feministinnen befürworten das Gesetz als eine humane Geste an die Frauen, die stark unter Regelschmerzen leiden. 

Genauso gibt es Feministinnen, die sagen, dass der Vorschlag sexistisch sei, weil es die alten Klischees über Frauen aufwärmt: das schwache Geschlecht, nicht so leistungsfähig wie Männer, hormongesteuert.

Manche Journalisten kritisieren, dass die Frauen mit der Bescheinigung vom Arzt über Regelbeschwerden bloßgestellt würden. Bei einer üblichen Krankmeldung wird der Grund nicht genannt. Lisa bezweifelt, dass das Gesetz durchkommt, und erinnert an die gescheiterte Initiative, Tampons aus der Luxusbesteuerung herauszunehmen. 

"In Italien arbeiten immer noch viel weniger Frauen als im europäischen Durchschnitt und sie verdienen auch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen."
Lisa Weiß, Italienkorrespondentin

Lisa befürchtet, dass Arbeitgeber ohnehin ein Schlupfloch finden, um das Gesetz zu umgehen. Beispielsweise darf man in Italien Schwangeren nicht kündigen, sagt Lisa, aber es kommt immer wieder vor, dass eine Frau im gebärfähigen Alter bei der Einstellung eine Blankokündigung unterschreiben muss. Sobald sie bekannt gibt, dass sie schwanger ist, wird die Kündigung rückdatiert auf die Zeit vor der Schwangerschaft und sie fliegt raus, sagt Lisa.

Auf der anderen Seite sei es in Italien auch einfach, Gefälligkeitsatteste zu bekommen, sodass Frauen das Gesetz missbrauchen könnten, vermutet Lisa. Deshalb: Das Gesetz würde in Italien nicht gut laufen.

In Japan, Südkorea, Sambia und Taiwan gibt es Gesetze, die Frauen bei Menstruationsbeschwerden freie Tage zusichern. In Deutschland gilt die Karenztageregelung: Drei Tage frei ohne Krankenschein für Festangestellte.