Nach Trump kommt das große Nachdenken: Die Populisten haben Aufwind, nicht nur in den USA. Auch in Europa gewinnen Parteien wie der Front-National, die AfD oder FPÖ an Macht. Sie zu ignorieren, wäre fatal. Einfach nur zuhören reicht aber auch nicht.

Viele Erklärungen machen derzeit die Runde. Eine davon ist die von Michael Seemann auf Carta. Er sagt, es findet ein Kampf statt zwischen zwei Gruppen: Auf der einen Seite die global und liberal Orientierten, die den politischen Mainstream beherrschen. Auf der anderen Seite die traditionell orientierten Konservativen, die sich abgehängt fühlen, weil die erste Gruppe überall den Takt vorgibt.

"Wir rümpfen die Nase über die, die für ihre Identität und ihr Wertegefüge auf den Bezugsrahmen Nation nicht verzichten können oder wollen", schreibt Seemann - darüber wurde auch bei uns diskutiert.

Keine Zweiteilung der Gesellschaft

Die Traditionalisten wehren sich überall auf der Welt, bevormundet zu werden. Seeman empfiehlt den Dialog. Anders sieht das Jagoda Marinić. Schon den Grundgedanken von den zwei klar umrissen getrennten Klassen lehnt sie ab: "Ich glaube nicht, dass es hier diese global-liberale Klasse gibt", sagt sie. Und: die Gesellschaft sei viel komplexer.

Die konservative Seite wird nicht übertönt

Von einer liberalen Seite, die die konservative übertönt, kann laut Marinić auch keine Rede sein: "Wir wissen ja, welche Bücher die meistgelesenen der letzten 10 Jahre sind". Sie führt Thilo Sarrazin und Heinz Buschkowsky an - konservative Positionen, die in der Öffentlichkeit groß diskutiert wurden und hohe Auflagen erreichten.

"Man muss viel, viel klarer sagen, wann man hier demokratische Prinzipien angreift. Man muss sich hinstellen und sagen: Wir haben eine freiheitliche Demokratie, wir verteidigen das."
​Jagoda Marinić, Autorin und Kolumnistin

Selbstkritik ist keine Lösung

Wenn die Linke glaubt, sie bekomme die Rechte in den Griff, in dem sie anfängt, sich selbst zu kritisieren, dann sei das absurd, meint Marinić. Zuallererst müssten wir alle unsere demokratischen Werte verteidigen, statt das Feld zu räumen - trotzdem aber miteinander im Gespräch bleiben. "Und vielleicht nicht so streiten, dass wir nicht mehr miteinander reden können." Statt weiter Gräben zu ziehen wäre es vielleicht besser, nach Gemeinsamkeiten zu suchen - also gemeinsam etwas machen und vergessen, "wo das permanente Trennende ist."

Verantwortung der Medien

"Gleichzeitig müssten sich auch die Medien überlegen, wen sie zu welchen Themen sprechen lassen."
​Jagoda Marinić, Autorin und Kolumnistin

Die Medien sind zwar nicht allesamt ein Sprachrohr der linken, globalen Bewegung, wie jetzt oft gesagt werde, meint Marinić. Trotzdem haben sie natürlich eine Verantwortung. Trump beispielsweise hat seinen Erfolg auch der massiven Medien-Berichterstattung zu verdanken. Kritische Berichterstattung muss also auch bedenken, welche Wirkung sie hat - und wen sie zu welchem Thema zu Wort kommen lässt.