Zwei Drittel der US-Amerikaner und -Amerikanerinnen sind mit US-Präsident Joe Biden und der Vizepräsidentin Kamala Harris unzufrieden. Seit einem Jahr sind sie im Amt und ihre Umfragewerte im Keller. Ein Grund für diese Unzufriedenheit ist der chaotische Abzug der US-Truppen aus Afghanistan, sagt Doris Simon, Dlf-Korrespondentin in Washington.

Viele US-Amerikaner und -Amerikanerinnen haben bei den Präsidentschaftswahlen 2020 den Kandidaten der Demokraten, Joe Biden, gewählt. Sie wollten vor allem den ehemaligen republikanischen US-Präsidenten Donald Trump loswerden. Nun sind US-Präsident Joe Biden und die Vizepräsidentin Kamala Harris seit einem Jahr im Amt, doch seit Mitte 2021 hat sein Image eines Krisenmanagers erhebliche Risse bekommen, sagt Doris Simon, Dlf-Korrespondentin in Washington.

"Der chaotische Abzug aus Afghanistan hat bei vielen Amerikanern Wunden aufgerissen und sie schockiert. Das Bild von Biden als Krisenmanager hat dadurch brutale Risse bekommen."
Doris Simon, Dlf-Korrespondentin in Washington

Ein Grund sei der chaotische Abzug aus Afghanistan. Ein weiterer: Sein Management der Corona-Krise habe sowohl die Gegner strengerer Maßnahmen als auch die Befürworter von noch strengeren Regelungen gegen ihn aufgebracht. Seine Covid-Politik scheiterte an der Delta- und Omikron-Variante.

"Dann hat Joe Biden es geschafft, seine eigene Basis zu vergrätzen."
Doris Simon, Dlf-Korrespondentin in Washington

Auch seine eigene Basis habe Joe Biden "vergrätzt", indem er ein Bundesgesetz für freie und faire Wahlen auf den Weg gebracht hat. Bestimmte Wählergruppen wie die schwarze Community halten ihm vor, er habe den Gesetzentwurf nicht energisch genug eingebracht, weil dieser wieder im Senat gescheitert ist.

US-Präsidentz zu zögerlich und wenig durchsetzungsfähig

Aktivisten kritisieren den US-Präsidenten dafür, dass ein großer Teil seiner Wirtschaftsagenda, die Sozialreform und die Maßnahmen für den Klimaschutz noch immer nicht vorangekommen sind, weil sie von Republikanern, aber auch von konservativen Demokraten, blockiert werden.

"Kamala Harris spielt keine große Rolle und sie hat noch viel schlechtere Zustimmungswerte als Joe Biden."
Doris Simon, Dlf-Korrespondentin in Washington

Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen den US-Präsidenten, die Vizepräsidentin spiele kaum eine Rolle. Die Zustimmungswerte von Kamala Harris sind weitaus schlechter als die von Joe Biden, sagt Doris Simon. Dem US-Präsidenten werde aktuell vorgeworfen, dass er zu wenig gegen die Inflation und die gestiegenen Preise unternehme. In seiner Pressekonferenz am 19. Januar habe er gesagt, dass er den Frust der Leute verstehe und mehr machen wolle. Er hoffe dabei auf Unterstützung der Notenbank.

Kamala Harris unbeliebt

Kamala Harris habe schwierige Themen zu vertreten, sagt Doris Simon. Die Wahlgesetzgebung oder Immigration und Zusammenarbeit mit mittelamerikanischen Staaten seien undankbare Themen. Die meisten Wähler würden sie nicht als stark wahrnehmen.

Schlechte Prognosen für Kongresswahlen

Die Prognosen für die Demokraten bei den Kongresswahlen im November sehen nicht gut aus. Das liege zum einen an der Unzufriedenheit mit dem US-Präsidenten und zum anderen daran, dass viele Wähler zwei Jahre nach einer Präsidentschaftswahl ihre Stimme der Nichtregierungspartei geben, erklärt Doris Simon.

Außenpolitische Kapriolen

In der Außenpolitik hat Joe Biden den Russland-Ukraine Konflikt oben in seiner Agenda stehen. Bei der Pressekonferenz am 19. Januar hat er vorausgesagt, dass der russische Präsident die Ukraine angreifen werde. Das werde ein kleiner Einfall sein, übersetzt Doris Simon das Wort "incursion", das Joe Biden in dem Zusammenhang benutzte. Das könnte eine schwächere Reaktion des Westens nach sich ziehen, so die Worte des US-Präsidenten. "Das ist absolut gegen die bisherige US-Position", sagt Doris Simon. Denn bisher lag der Fokus auf Diplomatie, Deeskalation und Frieden. Russland sollte sich ebenfalls dazu bekennen. Sei dies nicht der Fall, würden harte Sanktionen folgen, so sei es mit den Alliierten abgesprochen.

Diese Aussage des US-Präsidenten habe Entsetzen in der Ukraine und im Weißen Haus ausgelöst. Kurz nach der Pressekonferenz habe die Sprecherin Joe Bidens mit einer Erklärung versucht, diese Aussage wieder zurechtzurücken, berichtet Doris Simon.