Wichtige Schreibaufgaben aufschieben? Ein Café in Japan verspricht Abhilfe – mit strikter Kontrolle. Endlich mit der Arbeit anfangen klappt aber auch ohne Fernreise.

Lesen ist noch die kleinste Aufgabe. Bis so ein Text erstmal fertig ist, kann viel Zeit vergehen. Wer Schwierigkeiten mit seinen Schreibaufgaben hat, für den ist das Konzept des Manuscript Writing Cafés in Tokyo vielleicht etwas.

Zuerst wird die Aufgabe definiert und mit Start- und Zielzeit auf eine Karte geschrieben. Dann entscheiden die Gäste, wie genau ihr Arbeitsfortschritt kontrolliert werden soll: mild, normal oder hart. Insgesamt bietet das Café neun Gästen einen Platz.

Arbeit steht im Vordergrund

Dann geht es los. Der Aufenthalt kostet in den ersten 30 Minuten 130 Yen (knapp ein Euro) und für jede folgende Stunde 300 Yen (rund 2,20 Euro; Stand 27.04.2022). Kaffee und zwei Teesorten gibt es auch, aber nur aus einer Selbstbedienungsversorgungsstation.

"Gedacht ist es für Kreative, sagt der Betreiber: für Schriftstellerinnen, Manga-Zeichner und andere mit Deadline-Problemen. Der Betreiber ist selbst Schriftsteller."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Das Café-Konzept versuche Menschen, die zum Prokrastinieren neigen, recht gezielt zu helfen. Ilka zählt auf:

  • eine Arbeitsumgebung anbieten
  • die Aufgabe einteilen (mittels schriftlicher Fixierung)
  • klare Ziele stecken (mittels schriftlicher Fixierung)

Sogenannte Kreativarbeit ist schon von Natur aus eher anfällig für Prokrastination. Bei diesen Aufgaben gebe es eben nicht den einen bereits feststehenden Weg, sagt die Arbeits- und Organisationspsychologin Tabea Scheel.

"Wenn ich eine Excel-Tabelle ausfüllen muss und immer nur drei Buchstaben reinschreiben, werde ich wahrscheinlich wenig prokrastinieren, weil das einfach eine klare Aufgabe ist."
Tabea Scheel, Organisationspsychologin

Die Organisationspsychologin empfiehlt es, Aufgaben in kleinere Portionen aufzuteilen. Wenn das schon Schwierigkeiten bereitet, ist einfach der Auftrag noch nicht klar.

"Wenn ich das Gefühl habe, ich kann es nicht mal runterbrechen, ist klar, warum mich die Aufgabe überfordert. Weil ich nämlich nicht weiß, was auf mich zukommt."
Tabea Scheel, Organisationspsychologin