Jean kommt aus Kamerun. Von dort muss er fliehen. Wohin, ist ihm erstmal egal, Hauptsache er findet einen Platz, an dem er angenommen wird. Es beginnt eine lange, beschwerliche Reise. Bis er nach Hamburg kommt.

Jean, 32, kommt aus Kamerun, er lebt in Hamburg. Wie so viele Menschen, die im Ausland aufgewachsen und irgendwann nach Deutschland gekommen sind, hat er eine lange Reise hinter sich, die ihm vieles abverlangte. Doch Jean hat mehr durchgemacht. Wenn er gestorben oder verrückt geworden wäre, hätte heute niemand gesagt, dass man damit nicht hätte rechnen können.

Im Jahr 2006 demonstrieren die Kameruner gegen die hohen Preise für Benzin und Lebensmittel. Jean macht mit. Bei einer Demo legt er sich mit einem Polizisten an. Der schlägt mit seinem Knüppel zu - und Jean wehrt sich.

"Wir wollten nach Italien, plötzlich sahen wir wieder Moscheen"

Er wird polizeilich gesucht und flieht. Ein Freund erzählt ihm, dass die Bedingungen in Libyen gut sein sollen. Also reist er dort hin, macht sich als Fliesenleger selbstständig und verdient gut. Doch er fühlt sich in der libyschen Gesellschaft nicht angenommen. Mit dem Islam hat er nichts am Hut, hat mit alltäglichem Rassismus zu kämpfen. Dann beginnt die Tortur seines Lebens.

Jean wird wegen fehlender Papiere ein halbes Jahr eingesperrt. Als er wieder rauskommt, versucht er mit einem Schlepper übers Mittelmeer nach Europa zu kommen. Mehrere Versuche scheitern. Jean muss wochenlang in der Wüste vor der Polizei flüchten. Manche seiner Kameraden drehen durch.

Jean schafft es übers Meer nach Italien. Er wollte nach Europa, er hofft, hier endlich ein geregeltes und sicheres Leben führen zu können. Doch seine Reise geht weiter. Italien ist wieder kein Ort, an dem Jean bleiben kann.