Der Tod der 18-jährigen Kadettin Jenny Böken auf der "Gorch Fock" wirft noch immer viele Fragen auf. Ein Film zeichnet jetzt die Umstände des mysteriösen Unglücks nach.

In der Nacht vom 3. auf den 4. September 2008 geht die junge Kadettin Jenny Böken über Bord der "Gorch Fock", einem Segelschulschiff der Deutschen Marine. Zwölf Tage später wird ihre Leiche gefunden, rund 120 Kilometer nordwestlich von Helgoland. Doch die Umstände des Ereignisses  sind noch immer ungeklärt. War es ein Unfall oder mehr?

In dem Filmdrama "Tod einer Kadettin" hat Filmemacher Raymond Ley die tragische Geschichte um Jenny Böken aufgearbeitet. Der Film hält sich streng an die Ermittlungsakten des Falls, sagt der Journalist Thomas Wenkert, der intensiv zu dem Fall recherchiert hat.

Film lässt viele Möglichkeiten zu

Zitate aus Emails und Briefen von Jenny, die ihre Familie zur Verfügung gestellt hat, zeichnen ein deutliches Bild der jungen Frau: Jenny Böken war eine ehrgeizige und selbstbewusste Kadettin, die auf der "Gorch Fock" aber schnell zur Außenseiterin wurde, weil sie mit dem rauen Ton an Bord des Schiffs nicht zurechtkam.

"Der Film lässt viele Möglichkeiten zu, die letztendlich zu dem Tod der Kadettin geführt haben könnten."
Thomas Wenkert, Journalist

Die Eltern von Jenny klagten damals. Sie wollten erfahren, was wirklich an Bord geschah. Das Gericht entschied: Der Tod von Jenny war ein Unfall.

Trotzdem gibt es Ungereimtheiten. "Vordergründig stolpert man schon über die enge Zusammenarbeit zwischen Marine und Staatsanwaltschaft Kiel", sagt Thomas Wenkert. So könne die Marine bis heute nicht sagen, wer in jener Nacht Dienst hatte oder wer Jenny hätte ablösen sollen.

Viele Ungereimtheiten

Eine weitere Frage wirft die Obduktion von Jennys Leiche auf. Wenn jemand ertrinkt, wird normalerweise Wasser in der Lunge gefunden. Doch in Jennys Lunge war keins. Daher fragen sich viele: Könnte der Tod schon an Bord eingetreten sein? Auch die Tatsache, dass Jenny Böken weder ihren Parka noch ihre Schuhe anhatte, als ihre Leiche geborgen wurde, würde darauf hindeuten. "Es gibt eigentlich genügend Hinweise, die die Familie in ihren Zweifeln bestärkt", sagt Thomas Wenkert.

"Warum wird gemauert, wenn man nichts zu verbergen hat?"
Journalist Thomas Wenkert über die Ermittlungen zu Jenny Böken

Da Jenny als Außenseiterin galt, fragen sich ihre Eltern auch: Könnte das Ganze ein übler Scherz gewesen sein, der aus dem Ruder gelaufen ist? Und wieso gibt es keine Augenzeugenberichte, wenn 60 Personen dort waren?

"Es waren so viele Leute auf Deck. Aber aus Gründen, die man wirklich nur vermuten kann, hüllen sich Leute in Schwiegen."
Marlis Böken, Jennys Mutter

Die Eltern von Jenny Böken haben an dem Film mitgewirkt, weil sie hoffen, neue Hinweise zu bekommen. Sie hoffen, dass sich ein Zeuge findet, der bisher geschwiegen hat und zur Aufklärung des Todesfalls beitragen kann.

Mehr zum Thema: