Menschliches Leid, Dankbarkeit für Hilfe: Rettungssanitäter erleben schöne und schreckliche Moment zugleich. Jörg möchte nichts anderes machen – doch sein Beruf ist schwieriger geworden.

Jörg Nießen ist seit über 20 Jahren Rettungssanitäter und Feuerwehrmann. Seit 2010 hat er sechs Bücher über Erlebnisse aus seinem Beruf geschrieben. Zum Beispiel über das Rentner-Ehepaar, das mit Drogen experimentiert hat, um "nochmal was zu erleben". Das Ehepaar rief den Rettungsdienst mit der Bitte, die Nacht über doch da zu bleiben, falls es ihnen nicht gut gehen sollte.

"Natürlich gibt es Situationen, in denen ich nachher mit Kollegen und mit meinem sozialen Umfeld spreche."
Jörg Nießen, Rettungssanitäter und Feuerwehrmann

Jörg war zwar amüsiert, musste die Bitte aber ausschlagen, denn der Rettungsdienst sei dafür schließlich nicht da. Er hat die Aufgabe, bei Unfällen und akuten Krankheiten zu helfen – von der gebrochenen Hand bis zum Herzinfarkt, bei dem die Patienten in Lebensgefahr sind.

Sanitäter*innen erleben viel Leid

Zwar gebe es immer wieder auch Positives und Amüsierendes im Beruf – trotzdem muss ein Rettungssanitäter resilient und belastbar sein. Sanitäter und Sanitäterinnen erleben immer wieder Situationen, in denen es um menschliches Leid geht – "da muss ich mir bewusst sein, dass ich für diese Situation nicht verantwortlich bin", sagt Jörg, "vielmehr fahre ich dort hin, um die Situation zu verbessern."

"Man blickt in jeden Abgrund der Gesellschaft hinein."
Jörg Nießen, Rettungssanitäter und Feuerwehrmann

In den letzten Jahren haben verbale und physische Angriffe auf den Rettungsdienst zugenommen, das erlebt auch Jörg. Er hat keine Erklärung dafür, vermutet aber, dass solche Angriffe sich nicht speziell auf Rettungsdienst und Feuerwehr richten, sondern ein Ausdruck dafür sind, dass der Anspruch auf die uneingeschränkte individuelle Freiheit gestiegen ist. "Wenn wir eine Straße sperren, um den Rettungseinsatz durchführen zu können, fühlt sich irgendwer in seiner Freiheit beschnitten", sagt Jörg - Motto: Ich will hier jetzt durch!

"Wenn wir eine Straße sperren, weil vielleicht sogar Explosionsgefahr besteht, dann müssen wir diskutieren, warum wir das jetzt machen. Das hat es früher in dem Maße nicht gegeben."
Jörg Nießen, Rettungssanitäter und Feuerwehrmann

Im besten Fall kann Jörg diese Personen ignorieren. Im schlimmeren Fall sind die Angriffe so heftig, dass er die Polizei zur Unterstützung rufen muss.

Im Gespräch mit Deutschlandfunk-Nova-Moderatorin Jenni Gärtner erzählt Jörg, warum Rettungssanitäter sein Traumberuf ist, nach welchem Einsatz er zwei Tage lang gelacht und geweint hat und was das angeblich erbrochene Hirn von Jackie wirklich war.

Der Feuerwehrhelm von Jörg Nießen liegt auf einem Tisch
© Sebastian Knoth