Bild, Spiegel und die Zeit haben mit Byou, Bento und Ze.tt Nachrichtenportale gegründet, die sich speziell an junge Leser richten - und ernten damit viel Kritik.

"Textsushi für die Generation YouTube" - diese wenig schmeichelhafte Überschrift steht über einem taz-Artikel, der die Portale Byou, bento.de und Ze.tt ins Visier nimmt: Die Portale würden ihrem Anspruch nicht gerecht, die verwendete Jugendsprache klinge "peinlich-bemüht". Alle drei Angebote sind Ausgründungen etablierter Medien, die sich speziell an eine junge Zielgruppe richten: Byou gehört zur Bild, Ze.tt zur Zeit und bento.de ist der Jugend-Ableger von Spiegel Online.

Die großen Verlage entdecken Social Media

Unsere Netzautorin Martina Schulte findet: "Bei Byou wird nicht allzu viel Gehirnmasse vorausgesetzt, um die Inhalte zu verstehen." Die Angebote von der Zeit und Spiegel Online seien anspruchsvoller, "aber man merkt auch hier deutlich, dass die Texte sehr nach dem Kriterium 'Teilbarkeit in sozialen Netzwerken' geschrieben worden sind."

​"Vor allem Artikel auf bento.de transportieren fast immer eine Meinung - weil das bei Facebook und Co besser läuft."
Netzautorin Martina Schulte

Dieser Fokus auf die sozialen Netzwerke hat System: Die großen Verlage hätten eben festgestellt, dass heute das "Social Web für das Verteilen von Nachrichten eine große Rolle spielt", schreibt etwa der Blogger Thomas Knüwer und zitiert eine spannende Zahl: Laut einer Analyse bei Similarweb kommen beim Spiegel derzeit nur vier Prozent der Leser über soziale Netzwerke, bei Buzzfeed sind es über 50 Prozent - deswegen setzten nun auch deutsche Verlagshäuser verstärkt auf Social Web und junge Zielgruppen.

Thomas Knüwer warnt allerdings davor, Social Web und Jugend gleichzusetzen: Schon vor einigen Jahren habe beispielsweise das Durchschnittsalter der Facebook-Nutzer bei 39 Jahren gelegen. Der Datenjournalist Lorenz Matzat kritisiert außerdem, dass Spiegel und Co nicht mehr gewagt und etwa in Datenjournalismus, mobile Reporting oder mehr Multimedia-Kompetenz investiert haben: "Stattdessen gibt es den abgegriffenen Mix aus Gifs, Youtube-Videos und Instagram-Bildern. Es geht schlicht um die günstigste Variante, Content zu produzieren: Text."