Das Lebensgefühl beim Fahrradfahren ist sehr abhängig davon, wo man gerade unterwegs ist. In Amsterdam ist es wunderbar - in Brüssel der Horror, weiß JP Amaral. Der Brasilianer hat ein Jahr lang Europa mit dem Fahrrad bereist.

Den Brasilianer JP Amaral kann man mit Fug und Recht als Fahrradaktivisten bezeichnen. In seiner Heimat Brasilien arbeitet er für die Fahrradinitiative Bike Anjo (auf Deutsch "Fahrradengel"). In Europa hat er ein Jahr lang, mithilfe eines Stipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung und seinem Gastgeber Zeitpfeil e.V., die Städte Europas mit dem Fahrrad erforscht. Interessiert hat JP Amaral, wie der Radverkehr organisiert ist, und ob europäische Städte ihrem guten Ruf in Sachen Radverkehr gerecht werden.

"Bei uns in Brasilien heißt es, Europa sei so fahrradfreundlich. Und tatsächlich, Vieles ist hier besser. Besonders in Kopenhagen, Amsterdam oder Münster."
JP Amaral über seine Erfahrungen in Europa

Von einigen Städten in Europa war JP Amaral als Radfahrer richtig enttäuscht, aber er weiß auch von positiven Beispielen zu berichten: Kopenhagen gefällt ihm gut, wo die Fahrradwege breiter sind als die Straßen für Autos. Diese Art der Stadtplanung ist in seinem Sinn. Auch in München fühlte er sich auf dem Fahrrad wohl, weil es dort viele Radwege und Tempo-30-Zonen gibt. Als positives Beispiel nennt er außerdem die Niederlande, die eine landesweite Fahrradpolitik haben.

Ganz schlecht ist man als Radfahrer allerdings in Brüssel dran, meint JP Amaral, in fast allen Städten Portugals oder auch in Bochum, wo viele Straßen noch wie Autobahnen aussähen.

Fragt man JP Amaral, welche Kriterien eine fahrradfreundliche Stadt ausmachen, nennt er im Wesentlichen zwei Punkte:

  1. Infrastruktur
  2. Kampagnen

Bei der Infrastruktur gehe es nicht nur um Radwege, sondern auch um das Zusammenspiel mit dem öffentlichen Nahverkehr, also dass es beispielsweise an Hauptbahnhöfen Fahrradparkplätze gibt, dass Fahrradleihsysteme etabliert sind und so weiter. Bei den Kampagnen gehe es darum, dass Werbung gemacht werde fürs Fahrradfahrern, über Aktionen wie "Mit dem Rad zur Arbeit".

JP Amaral vermutlich in Brasilien.
© JP Amaral | DRadio Wissen
JP Amaral in Brasilien

Aus seinem Fahrradforschungsjahr zieht JP Amaral viele Erkenntnisse und hat jede Menge Anregungen aus Europa aufgeschnappt, wie das neue Konzept aus Rotterdam, wo Wärmesensoren an Kreuzungen für eine grüne Welle für Fahrradfahrer sorgen - die Autofahrer müssen warten. Ziel ist es für die Zukunft, zwischen Brasilien und europäischen Städten Koooperationen zu schaffen, um an einer fahrradfreundlichen Welt zu arbeiten.