Eigentlich sind Menschen ihre Fressfeinde. Was für ein schönes Wunder, dass Pferde sich so gut mit uns verstehen, findet die Schriftstellerin Juli Zeh.

Beim Dressurreiten holen Reiterinnen und Pferde der deutschen Equipe regelmäßig Preise und Medaillen. Die Autorin, Juristin und Reiterin Juli Zeh ist Reitsport Fan und hat eine "Gebrauchsanweisung für Pferde" geschrieben.

Kooperationsbereitschaft bei Pferden

Sie findet, dass dieser Sport eher für eine Freundschaft, eine wirkliche Kommunikation zwischen Mensch und Tier steht. Im Kern gehe es um gute Zusammenarbeit. Pferde könnten das genauso genießen wie Menschen. Das erzeuge beiderseitig Glücksgefühle.

"Die Aufgabe des Sportes ist es, diese Neigung, auch diese Bewegungsfreude herzustellen, ohne dass man gerade eine hübsche Stute beeindrucken möchte."
Juli Zeh, Autorin, Juristin und Reiterin

Beim Dressurreiten seien Frauen vielleicht deswegen erfolgreicher als Männern, weil es ihnen mehr liege, eine enge Beziehung zu einem Tier aufzubauen. "Das ist einfach meine Theorie. Warum es diesen deutlichen Unterschied gibt", sagt die Schriftstellerin.

"Für die Dressur brauchst du eine ganz besonders enge Beziehung zu deinem Pferd. Das ist wie Tanzen."
Juli Zeh, Autorin, Juristin und Reiterin

Beim Dressurreiten lernten Pferd und Mensch, sich ohne Worte so genau zu unterhalten, dass sie zusammen tanzen könnten. Das sei nicht dasselbe, wie wenn ein Hund Männchen mache, weil er wisse, dass er hinterher ein Leckerli bekomme.

Pferde haben Charakter

Juli Zeh räumt ein, dass Pferde zwar vielleicht eher die Weide dem Turnier vorziehen würden. Manche der Tiere reagierten allerdings grundsätzlich positiv mit Höchstleistungen auf Wettbewerbssituationen. Das sei eine Charakterfrage.

"Es gibt Pferde, die spüren diese Anspannung, das Adrenalin, das Publikum, die Musik. Dann werden die noch stolzer und präsentieren sich einfach noch toller, als sie das vielleicht zuhause tun würden."
Juli Zeh, über Charaktereigenschaften von Pferden

Eben wegen ihrer kommunikativen Eigenschaften eigneten sich Pferde besonders für Therapien und Coachings. Mit den Tieren lasse sich lernen, worauf es bei einer guten Beziehung ankomme – auf ein Wir-Gefühl. "Da sind die einfach Zen-Meister", sagt Juli Zeh.

"Ich finde das Tag für Tag ein totales Wunder, dass diese Tiere, die uns auch körperlich komplett überlegen sind, trotzdem bereit sind, Freundschaften mit uns einzugehen."
Juli Zeh, Autorin, Juristin und Reiterin

Im Gespräch mit Jenni Gärtner geht es um noch viel mehr: etwa um Reiten als Elitensport, Kommunikation durch Blicke und Pferde mit Ausstrahlung. Es lohnt sich, klickt oben auf das Audio.