Nigeria ist bekannt für Boko Haram, Korruption und Armut. Junge Menschen aus der wachsenden, gut gebildeten Mittelschicht des Landes haben davon aber genug – und wollen die Politik ihres Landes mitgestalten. Dafür muss aber das Gesetz geändert werden, denn in Nigeria dürfen Politiker unter 30 Jahren keine wichtigen Ämter besetzen.

Ein Sandplatz mitten in Abuja, der nigerianischen Hauptstadt. Mehrere Hundert Leute haben sich dort zusammengefunden, alle zwischen 20 und 30 Jahren, viele in T-Shirts mit der Aufschrift "Not too young to run". Sie demonstrieren dafür, dass ihre Generation mehr politische Verantwortung übernehmen darf. Denn Nigerianerinnen dürfen zwar mit 18 Jahren wählen, müssen aber bisher mindestens 40 Jahre alt sein, um zum Beispiel als Präsidentin kandidieren zu dürfen. 

Dabei sind mehr als 60 Prozent der Nigerianer jünger als 30 Jahre. Bisher wird Politik in Nigeria also ausschließlich von alten Menschen gemacht, obwohl die in der Minderheit sind. Das will "Not too young to run" ändern, sagt Ibrahim Faruk, einer der Initiatoren der Kampagne.

"The argument has been that young people are not ready, so what does "Not too young to run"? We identify young people who want to run for office, support them, which ever way we can, whether it is through capacity building or workshops."
Ibrahim Faruk, einer der Initiatoren von "Not too young to run"

Außerdem hat die Initiative einen Antrag auf Gesetzesänderung eingereicht. Wenn das Gesetz unterschrieben ist, könnten Nigerianer schon mit 25 Jahren für die Nationalversammlung und das Repräsentantenhaus kandidieren. Und die Altersgrenze für Präsidenten würde von 40 auf 35 Jahre fallen. Faruk will erreichen, dass das schon bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr gilt. Viele Jugendliche in Nigeria fänden das gut. Sie sind von den leeren politischen Versprechen enttäuscht. So wie die 20-jährige Demonstrantin Falih Royá. Vor allem die Korruption im Land stört sie.

"The President promised he is going to make Nigeria a better place. But the reverse is the case! The worse is happening! We are not happy!"
Falih Royá, Demonstrantin

Dazu kommen weitere Probleme: Selbst Uniabsolventen finden oft keine Arbeit, die Gesundheitsversorgung ist mangelhaft. Viele junge Nigerianer wollen daher nun politisch mitreden, wie eine Umfrage unter den Demonstrierenden zeigt. Selbst regieren, statt nur abzuwarten, lautet ihr Motto. So ein Engagement der jungen Mittelschicht ist neu. Ein Grund: Durch das Internet können sie sich heute besser vernetzen, sagt Ibrahim Faruk.

"I get many phone calls from people who say "I‘ve seen what you are doing on social media and I like it. How can I be part of it?""
Ibrahim Faruk, einer der Initiatoren von "Not too young to run"

Die Initiative hofft, dass durch jüngere Kandidaten mehr Wettbewerb in die Politik kommt und die Korruption in Nigeria abnimmt. Faruk nennt ein Beispiel: Er setzt viele Hoffnungen in einen jungen Mann, der sich im Bundesstaat Kaduna um die Finanzen kümmert und damit einer der jüngsten Finanzbeamten Nigerias ist. Und der arbeite sehr transparent – stelle zum Beispiel alle Finanzpläne des Bundesstaates online. 

Maryam Laushi auf einer Veranstaltung von "Not too young to run"
© Katja Scherer
Maryam Laushi auf einer Veranstaltung von "Not too young to run"

Das Problem: Selbst wenn die Regierung des 72-jährigen Präsidenten Buhari die Altersgrenzen absenkt, bleiben für den politischen Nachwuchs noch Hürden. Zum Beispiel müssen Politiker in Nigeria oft erst Millionen an ihre Parteien zahlen, um überhaupt aufgestellt zu werden. Trotzdem sehen junge Nigerianer die Initiative als Schritt in die richtige Richtung. Denn momentan seien viele zunehmend frustriert, warnt Maryam Laushi von der Initiative. Umso wichtiger sei, dass der Präsident dem Antrag von "Not too young to run" bald zustimme. 

"We see, that Boko Haram has a lot of young people recruited, who didn‘t have a job or education. So if young people are left without anything, there is the fear that they participate in other activities, which are dangerous."
Maryam Laushi von der Initiative "Not too young to run"