In Leicester herrscht Volksfest-Stimmung: Die Bürger tragen historische Gewänder und erweisen mit langen Prozessionen König Richard III. die letzte Ehre. Der starb vor rund 530 Jahren, wurde damals aber eilig verscharrt.

Nach rund 530 Jahren wird König Richard III. nun standesgemäß zur letzten Ruhe gebettet. Der Verbleib seiner sterblichen Überreste war lange unbekannt. 2012 wurden bei Bauarbeiten auf einem Parkplatz Knochen entdeckt. Mithilfe einer DNA-Proben, die ein Nachfahre zur Verfügung gestellt hatte, konnten die Knochen zugeordnet werden.

Leicester erstrahlt in royalem Glanz

Die Bürger von Leicester feiern das Ereignis. Es verleiht ihrer Stadt, die als öde verschrien ist, ein wenig royalen Glanz. Mit historischen Kostümen und Umzügen in der ganzen Stadt kann König Richard III. nun vom Parkplatz in die Kathedrale umziehen, um dort seine letzte Ruhestätte zu finden. Und die Kommune hofft, dass die Gebeine des Königs sich als Touristenmagnet erweisen. Dann würden sich die 3,5 Millionen Euro, die die royale Bestattung kostet, vielleicht auszahlen.

Prozession mit dem Sarg von König Richard III.

Hartnäckiges Image: Buckliger, bösartiger Prinzenmörder

Der Monarch, der nur 26 Monate lang an der Macht war, gilt bis heute als berechnender und ruchloser Mörder. In Schulbüchern wurde er früher oft als buckliger König dargestellt, der mit einem Kissen in der Hand in den Tower geht, um die dort eingekerkerten Prinzen, seine Neffen, zu töten. Auch durch William Shakespeares Theaterstück Richard III. hat sich das Image vom bösartigen König in den Köpfen festgesetzt. Vereine, die sich um die Ehrenrettung des Monarchen bemühen, bezeichnen viele Überlieferungen als "Tudor-Propaganda" seiner politischen Gegner.

König Richard III. starb in der Schlacht bei Bosworth im Jahr 1485, da war er gerade mal 32 Jahre alt. Seine Verletzungen lassen erkennen, dass er wohl schon kniete oder am Boden lag und keinen Helm mehr trug, als er mit neun brutalen Schwerthieben getötet wurde.

Dokumentation über König Richard III.

Leichenschändung und öffentliche Zurschaustellung

Um ihn lächerlich zu machen, wurde sein Leichnam nackt auf einem Pferd durch die Stadt getragen und in einem Wirtshaus in Leicester ausgestellt. Danach wurde er in einem Franziskanerkloster begraben, das sich wohl an der Stelle des Parkplatzes befand, an dem die Knochen gefunden wurden. Wahrscheinlich hätte sich König Richard III. darüber gefreut, dass die Leute in den Pubs rund um Leicester jetzt in Feierstimmung sind, da anhand der Knochen auch erwiesen ist, dass er pro Tag eine Flasche Wein zu sich nahm.

Die Prozession in Bildern