Kübra Gümüsay lässt sich nicht einfach in eine Schublade stecken. Die Deutschtürkin arbeitet als Journalistin, bloggt, bezeichnet sich selbst als Feministin und ist gläubige Muslima. Ihre größte Stärke: Geschichten.

Sie ist humorvoll, empathisch und vor allem eins: neugierig. Kein Wunder, dass Kübra Gümüsay ihre Berufung darin gefunden hat, Geschichten zu erzählen. Als Journalistin hat sie unter anderem für die Zeit, die Taz und das Migazin gearbeitet. Und wer ihrem Blog "Ein Fremdwörterbuch" folgt, wird noch viele weitere Geschichten finden. Ihre Themen: Rassismus, Religion, Gleichberechtigung und Zufallsbekanntschaften. Aber auch darauf lässt sie sich nicht festlegen.

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Seit 2011 lebt und arbeitet die Deutschtürkin mit ihrem Mann in Oxford. Sie ist Social-Media-Beraterin für die Saïd Business School an der Universität Oxford. Dass sie auch dieses Handwerk versteht, hat sie 2013 bereits unter Beweis gestellt. Zusammen mit Jamie Schearer und Sabine Mohamed hat sie den Hashtag #SchauHin ins Leben gerufen - und via Twitter eine Kampagne gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gestartet.

Rassismus im Alltag

Ein Thema, das Kübra Gümüsay ohnehin sehr beschäftigt. Denn nicht selten wird sie auf das reduziert, was die Menschen in ihr sehen: eine Frau mit Kopftuch. Dass sie in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, dass sie in Hamburg und London Politikwissenschaften studiert hat, sind Dinge, die dahinter völlig zurücktreten. Nicht nur in Deutschland, auch in vielen deutschen Nachbarstaaten ist das Alltag.

"In den letzten Jahren in Deutschland sind ziemlich doofe Sachen passiert und ich war ziemlich frustriert von Deutschland, wenn ich da arbeiten war."
Kübra Gümüsay über Alltagsrassismus

In Oxford hingegen ist sie schlicht Teil der Gesellschaft. Dass sie ein Kopftuch trägt, ist überhaupt kein Thema. Wenn sie zum Dinner eingeladen wird, steht wie selbstverständlich auch ein Gericht auf dem Tisch, das halal ist. Es gehört dort schlicht zum guten Ton, sich mit der Kultur des Gastes zu beschäftigen. Das ist zwar angenehm, aber natürlich nicht als Synonym für den Alltag in Großbritannien zu verstehen. Denn jenseits der großen Universitätsstädte sieht es in England nicht viel anders aus als in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.

Diskussion als Chance

Der Abstand zu Deutschland hat ihr aber auch einen neuen Blickwinkel auf die aktuelle Situation geboten. Ihr Frust über Alltagsrassismus hat sich inzwischen gewandelt. Denn die Diskussionen, die derzeit über Einwanderer, Migranten und Flüchtlinge geführt werden, zeigen, dass sich diese sozialen Gruppen nicht mehr an den Rand der Gesellschaft drängen lassen.

"Frauen mit Kopftuch sind nicht mehr nur die Putzfrauen, sondern sitzen mit dir in der Uni und werden Dozentinnen. Der gesellschaftliche Wandel wird immer mehr sichtbar. Und deswegen diskutieren wir darüber."
Kübra Gümüsay sieht die Unruhe positiv