Etwa 90 Prozent der Menschen lieben es zu küssen. Egal ob mit oder ohne Zunge. Sexualwissenschaftlerin Ingelore Ebberfeld erklärt, warum das so ist. Und sie weiß auch: Wer den Zungenkuss zulässt, der hat schon den Weg zum Sex geöffnet. Hier ist definitiv mehr drin.

Küssen ist ein Versprechen. Das ist ein Teil der Theorie von Ingelore Ebberfeld. Was Mann und Frau unter diesem Versprechen aber verstehen, kann sich extrem unterscheiden. Frauen wollen etwa gerne innig geküsst werden, ohne dass es gleich unter der Gürtellinie weitergehen muss. Archaisch gesehen überprüft die Frau mit dem Küssen: Steht er noch zu mir, hat er noch dieselben emotionalen Gefühle mir gegenüber?

"Ein Mann ist gut beraten, wenn er eine Frau leidenschaftlich küsst. Das ist besser als ein Rosenstrauß."

Der Mann hingegen habe andere Interessen, so Ebberfeld: "Ein Mann ist zielorientiert. Er will, wenn er küsst, nur das eine." Sex eben. Der Mann wolle seinen Samen so weit wie möglich streuen, und wie er zu diesem Ziel kommt, sei ihm herzlich egal.

Vom Beschnuppern des Pos zum Küssen der Lippen

Woher der Kuss eigentlich kommt, kann die Expertin nicht genau sagen. "Der Kuss ist nicht angeboren", sagt sie, "nur das Verlangen, einen anderen Menschen zu berühren und zu beriechen." Als der Mensch sich aufgerichtet hat, begann das Küssen, glaubt Ebberfeld - da hat sich das Annähern von unten nach oben verlagert. Das Männchen hat das Weibchen nicht mehr am Po beschnuppert, so wie es viele Tiere machen, sondern bevorzugte erst das Naseln und schließlich das Küssen.