Unser Müll häuft sich an, auf Deponien und in den Ozeanen. Wie sich unser Umgang mit Müll auf unser Selbst auswirkt, analysiert der Philosoph Oliver Schlaudt in seinem Vortrag.
Jeder von uns produziert etwa acht Kilo Müll jede Woche. In unseren Ozeanen schwimmen mittlerweile über 100 Millionen Tonnen Plastikmüll und es wird immer mehr. Müll ist mehr als die unangenehme Folge unseres Konsums: Er ist ein Spiegel – er zeigt uns, dass mit der Art und Weise unseres Konsums etwas nicht stimmt. Das ist die These des Philosophen Oliver Schlaudt. Er ist Professor für Philosophie und Politische Ökonomie an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz.
"Verpackungen sind nicht bloß ein Problem für die Umwelt, sie sind kein Kollateralschaden, sondern Teil und Indiz eines totalen Schadens."
Zero-Waste Experiment
In seinem Vortrag zeigt Oliver Schlaudt, wie wir mit unserem Müll umgehen und er erkundet, was unsere Art des Wegwerfens mit uns macht. Dafür analysiert der Philosoph sein persönliches Zero-Waste-Experiment.
"Der Ekel ist in unserer animalischen Psyche verankert. Aber wer sich wovor ekelt, wird ständig neu verhandelt. Kann es sein, dass die moderne Industrie den Ekel gezielt einsetzt, um uns in der Konsumentenrolle zu halten?"
Sein Fazit: Wenn wir versuchen, Verpackungsmüll wegzulassen, berührt das tiefe Schichten unserer Subjektivität. Wir werden plötzlich mit der Frage konfrontiert, was Dreck und Sauberkeit eigentlich bedeuten, was gute Nahrung eigentlich ist, wo die Grenzen zwischen Genuss und Ekel verlaufen, erklärt der Philosoph.
"Das Gute ist mit dem Dreck verschlungen."
Oliver Schlaudt ist Professor für Philosophie und Politische Ökonomie an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz. Seinen Vortrag "Müll – Nicht die Folge, sondern der Spiegel des Konsums" hat Oliver Schlaudt für uns im Studio neu eingesprochen. Ursprünglich hielt er ihn auf der Jahreskonferenz 2025 des Netzwerks Verbraucherforschung am Bundesministerium für Justiz und für Verbraucherschutz. Das Thema der Jahreskonferenz lautete "Zwischen Einverleiben und Entsorgen – Die Materialität des Konsums".
- Einleitung
- Was bedeutet der Müll?
- Experiment Zero Waste
- Philosophische Bewandnis des Experiments
- Fazit
