K.O.-Tropfen im Getränk sind geschmack- und geruchslos. Sie machen willenlos und im Prinzip entscheidungsunfähig. Danach folgt eine fette Erinnerungslücke und im schlimmsten Fall ein Trauma fürs Leben.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt in einer Kneipe am Hamburger Kiez erinnert sich Sabine an nichts mehr. Die komplette Nacht, der Morgen danach - alles weg. Schuld daran sind höchstwahrscheinlich K.O.-Tropfen. Jedenfalls spricht alles dafür.

"Meine Freunde haben erkannt: Das ist nicht die Sabine, die sie sonst ist. Ich bin froh, dass ich gute Freunde habe, die auf mich aufgepasst haben."
Sabine

Sabine war mit mehreren Freunden in Hamburg in mehreren Clubs feiern. Irgendwann knutscht sie mit einem Mann rum, den die Freunde als ekligen, alten Typen beschreiben und der wohl aus den Niederlanden kam. An all das kann sich Sabine wie gesagt nicht erinnern.

Später schmeißt sie sich an den Mann förmlich ran, ist enthemmt - ganz gegen ihre Art. Die Freunde wundern sich. Als Sabine mit dem fremden Mann den Club verlässt und mit ihm in ein Taxi steigen will, laufen die Freunde hinterher und halten sie davon ab.

"Die Vorstellung, was hätte passieren können, ist furchtbar."
Sabine

Sabine ist heute froh darüber, dass die Freunde aufgepasst haben. Denn K.O.-Tropfen machen praktisch willenlos. Vermutlich wäre in der Nacht etwas passiert, woran Sabine heute gar nicht denken will.

Am nächsten Tag setzt irgendwann die Erinnerung wieder ein, Sabine hat leichte Kopfschmerzen und vermutet, das sei ein normaler Kater vom Alkohol. Erst später, nach und nach, rekonstruiert sie zusammen mit den Erzählungen der Freunde, was wirklich passiert ist.

Die Getränke nie wieder alleine gelassen

Zwar hat Sabine mit dem Typen "nur" rumgeknutscht - doch die Gewissheit bleibt, dass sie ein paar kleine Tropfen im Getränk komplett willen- und erinnerungslos machen können. Seitdem hat sie in Clubs und Kneipen ihr Getränk nie wieder unbeaufsichtigt gelassen.

Monika Bulin vom Aachener Frauennotruf kann aus ihrer Arbeit all das bestätigen: Filmriss, enthemmt sein, sexualisiertes Verhalten, widerstandsunfähig - das sind typische Symptome, die K.O.-Tropfen hervorrufen.

Bulin rät zu dem, was Sabines Freunde intuitiv gemacht haben: Aufeinander aufpassen und von Handlungen abhalten, die nicht zur Persönlichkeit passen oder sonst wie merkwürdig erscheinen.

Monika Bulin
"Unser Rat an Mädchen und Frauen: Zusammen zum Feiern gehen, zusammen feiern, zusammen wieder nach Hause. Niemand wird zurückgelassen."

Wer vermutet, Opfer von K.O.-Tropfen geworden zu sein, kann bis zu zwölf Stunden lang in seinem Urin die Tropfen nachweisen lassen. Mit einem Beweis ist dann auch eine Anzeige möglich.

Zwar können sich die Opfer an nichts mehr erinnern, doch berichten Frauen davon, dass etwa nach einer Vergewaltigung der Körper sehr wohl eine Erinnerung speichert, dass sich also ein bestimmtes Gefühl einstellt. Manche Frauen waren verweint, sagen sie - doch eine Erinnerung daran, geweint zu haben, haben sie nicht. Sie erzählen über plötzlichen Ekel, Übelkeit oder Panik, der durch Reize ausgelöst wird, die mit der Tat zu tun haben.