Am 1. Mai 2019 übernimmt in Japan Kronprinz Naruhito die Herrschaft von seinem Vater, Kaiser Akihito. Dann beginnt auch eine neue Zeitrechnung: Das Jahr eins der Reiwa-Ära. Für Computer ein ähnliches Problem wie der Millenium-Wechsel.

Es war eines der Themen zum Jahreswechsel von 1999 auf 2000: Der Millenium-Bug oder Y2K-Bug. Die Sorge: Viele Computersysteme könnten diesen Jahreswechsel nicht überstehen. In den Anfangszeiten der Computer wurde nämlich das Jahr nicht vierstellig, sondern nur zweistellig gespeichert. Beim Wechsel vom Jahr 99 auf das Jahr 00 denkt der Rechner also erst mal, es sei 1900 und nicht etwa 2000.

Deshalb haben zahlreiche IT-Experten im Vorfeld zum Milleniumwechsel Überstunden geschoben, um den befürchteten Totalabsturz zu vermeiden. Manche IT-Experten haben katastrophale Zustände vorhergesagt, falls das Problem nicht rechtzeitig behoben wird, wie dieses Mitglied der Y2K-Taskforce in einem Bericht des WDR von 1998.

"Wenn Unternehmen still stehen, die Grundversorgung, wie Strom, Wasser, Telefon zusammenbricht, Verwaltung und Infrastruktur gestört sind - das wird das Leben aller mit ungewöhnlicher Härte treffen."
Mitglied der Y2K-Taskforce in einem WDR-Bericht von 1998

Am Ende war das alles halb so schlimm. Aber im Prinzip steht Japan jetzt vor einem ähnlichen Problem. Dort gibt es zwar auch einen gregorianischen Kalender und es ist auch klar, dass wir uns hier im Jahr 2019 und im vierten Monat dieses Jahres befinden. Aktuell ist das 30. Jahr der Heisei-Ära, übersetzt "Frieden überall".

Wenn am 1. Mai 2019 Kronprinz Naruhito dann Kaiser wird, beginnt eine neue Ära, das Jahr 1 der Reiwa-Ära, übersetzt in etwa "Guter Frieden" oder auch "Verordneter Frieden". Für die Computer in Japan heißt das, dass aus der 30 der Heisei-Ära eine 1 der Reiwa-Ära wird. Aber - und hier kommen wir wieder zum Millenium-Problem - die älteren Computer in Japan haben nur eine Zahl gespeichert, nicht aber die dazugehörende Ära. Die Computer wissen also nicht, dass die 1 zu Reiwa-Ära gehört - und datieren damit alles einfach 30 Jahre zurück. Nämlich auf das Jahr eins der eigentlich endenden Heisei-Ära.

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Erste Probleme mit der Zeitrechnung

Das hat bereits im Vorfeld zu Problemen geführt. Zum Beispiel, weil eben die Sortierung von Daten nicht mehr richtig funktioniert. In der Stadt Koga hat das dazu geführt, dass versehentlich 1700 städtische Wasserrechnungen gelöscht wurden beim Versuch, die Datenbank umzustellen. Die Stadt Nagoya rechnet damit, dass die Umstellung ihrer Systeme insgesamt vier Millionen Euro kosten wird. Bei neuen IT-Systemen wurde das Problem einfach umgangen, indem die Jahreszahl mit der Bezeichnung der Ära verknüpft wurde. Für die neue Ära wurde einfach ein Platzhalter programmiert, der am 1. Mai 2019 durch das richtige Wort ersetzt wird. Es sind aber auch immer noch viele ältere Systeme in Japan in Betrieb.

Denn obwohl Japan als technisch sehr fortschrittliches Land gilt, gibt es auch die Haltung, funktionierende Systeme zu erhalten und eben nicht ständig zu erneuern. So stehen in Japan zum Beispiel überall noch Telefonzellen und viele Betriebe kommunizieren ganz selbstverständlich per Fax. Und irgendwie passt dazu auch der Vorschlag der Regierung, wie mit eventuellen Problemen bei der Umstellung der Zeitrechnung zu verfahren sei: Es wird geraten, einfach alle Dokumente auszudrucken und das Datum dann per Hand zu ändern. Mit Hilfe eines Stempels für die neue Ära. Das scheinen offensichtlich viele gar nicht so abwegig zu finden. Wie japanische Medien berichten, geht den Stempel-Herstellern schon das Gummi aus.