Azad kommt aus dem Ruhrgebiet, fühlt seine Heimat aber in Kurdistan. Die wird gerade vom Islamischen Staat angegriffen. Azad beschließt Widerstand zu leisten. Er reist nach Syrien und kämpft.

„Irgendwann hat mich halt mein Gewissen nicht mehr schlafen lassen, nicht mehr essen lassen. Mein Leben war ganz komisch. Ich war wie tot. Hab die Schule vernachlässigt, hab meine Familie vernachlässigt. Und eines Tages hab ich den Entschluss getroffen, dass ich runtergehen werde.“
Azad

Und dann geht Azad runter. Er gibt sein altes Leben auf, um nach Syrien zu reisen. Er will in Syrien gegen die Organisation Islamischer Staat kämpfen und seine Heimat Kurdistan verteidigen, der er sich verpflichtet fühlt.

Seiner Mutter erzählt Azad, dass er Urlaub macht. Tatsächlich fliegt Azad mit einem One-Way-Ticket von Amsterdam nach Arbil, eine Stadt im Norden des Irak - von dort soll es weiter Richtung Syrien gehen. Azad ist 20 Jahre alt, kennt niemanden vor Ort. Und doch findet er einen Mann, der ihn und sechs andere illegal nach Syrien bringen will - mit einem Schlauchboot über den Grenzfluss Tigris.

Azad schafft es, schließt sich der kurdischen Miliz in Syrien an. Nach einem Monat im Ausbildungslager kommt er an einen Außenposten und sieht zum ersten Mal den Feind: IS-Kämpfer fahren mit ihren Pickup-Trucks auf den Posten zu, Azad und seine Kameraden schießen, die IS-Leute drehen ab.

"Wir haben uns alle gefreut. Ist komisch irgendwie, wenn man in den Krieg geht und sich freut. Aber wir haben uns alle gefreut, dass wir die Chance gekriegt haben, unser Volk zu verteidigen."
Azad

Dann kommt Azad nach Kobane, der wichtigen Stadt ganz im Norden Syriens. Die Häuser Kobanes sind die Front zwischen Kurden und IS. In der Hitze des syrischen Sommers kämpfen sich Azad und die anderen von Tür zu Tür. Sie graben sich durch die Wände zum jeweiligen Nachbarhaus, um nicht nach draußen zu müssen, wo Scharfschützen lauern. Aber auch drinnen sind die IS-Milizen manchmal nur wenige Meter entfernt - warten vielleicht schon im nächsten Zimmer. Für Azad ist klar, egal was passiert: Seine letzte Kugel ist im Zweifel für ihn selbst bestimmt.

Er könnte glücklich sein, ist es nicht

Irgendwann schafft es Azad nicht mehr, weiter zu kämpfen, er wird krank. Nach fünf Monaten Krieg in Syrien macht er sich auf den Rückweg. Einige seiner Freunde sind in Kobane gefallen, Azad hat überlebt. Er könnte sich glücklich schätzen, ist es aber nicht.

Zurück in Deutschland weiß er nicht allzu viel mit sich anzufangen. Er bleibt oft zu Hause, chattet mit kurdischen Kämpfern, verfolgt Kämpfe auf Youtube. Azad sagt: "Zurück nach Syrien? Das ist eine Option."




*Auf dem Bild oben ist nicht Azad zu sehen.