Lange rätselten Mediziner darüber, mit welcher Krankheit sich ein Kanadier infiziert hatte. Es handelte sich nicht, wie vermutet, um Covid-19, sondern um das weitgehend ausgerottete Schützengrabenfieber.

In Kanada wurden im Abstand von einigen Monaten vier Obdachlose behandelt, die unter anderem an Fieber, Kopf-, Gelenk- und Brustschmerzen gelitten haben. Der erste und nahe liegende Verdacht: eine Infektion mit Covid-19.

Kanada: Seit den 1990ern nur sehr vereinzelt aufgetreten

Mediziner stellten aber auch Hautausschläge und einen Befall mit Kleiderläusen fest. Das erhärtete den Verdacht, dass es sich um das Schützengrabenfieber handeln musste, auch bekannt als Wolhynisches Fünfttagefieber.

Der erste Fall, den ein Mediziner in diesem Jahr dokumentierte, trat im Februar auf. Abgesehen von den vier Fällen, die in diesem Jahr diagnostiziert wurden, sind in Kanada seit Mitte der 1990er-Jahre nur vier weitere Fälle dokumentiert.

"Hier in Westeuropa ist das eigentlich eine ausgestorbene Krankheit. Aber früher war sie sehr weit verbreitet - vor allem unter den Soldaten im Ersten Weltkrieg."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk Nova

Beim Schützengrabenfieber handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die vor allem durch Kleiderläuse übertragen wird. Die Läuse übertragen sich von Mensch zu Mensch. Der Erreger ist ein Bakterium namens Bartonella quintana, das im Verdauungstrakt der blutsagenden Läuse sitzt.

Wenn der Läusekot mit einer Hautverletzung in Berührung kommt, dann kann man sich daran anstecken. Die Haut beginnt zu jucken, der Patient kratzt. Hautabschürfungen und Kratzwunden sind die Folge.

Eine seltene Krankheit, die im Ersten Weltkrieg Epidemien unter den Soldaten auslöste, aber inzwischen relativ unbekannt ist, weil sie in Westeuropa als ausgestorben gilt. Ein ganz eindeutiges Zeichen für diese Krankheit sind einhergehende Schienbeinschmerzen.

Eine Million Soldaten sollen sich Ersten Weltkrieg infiziert haben

Die Krankheit konnte sich im Ersten Weltkrieg ausbreiten, weil die hygienischen Bedingungen schlecht waren. Die Kleiderläuse konnten viele Wirte finden, weil sich die Menschen während des Krieges auf engstem Raum in den Schützengräben befanden. Außerdem konnten die Soldaten sich selten waschen und noch seltener die Klamotten wechseln.

Wenn ein Soldat erkrankte, dann hatte er meistens fünf Tage lang hohes Fieber, Schmerzen an der Milz und am Schienbein. Die Inkubationszeit der Krankheit beträgt 10 bis 30 Tage.

Unbehandelt kann die Krankheit tödlich verlaufen

Die Erkrankung konnte damals nicht behandelt werden, weil Antibiotika noch nicht entdeckt waren.

Oftmals löste die Infektion eine Endokarditis, eine Herzinnenhautentzündung oder eine Meningitis, eine Hirnhautentzündung, aus. Unbehandelt kann die Krankheit tödlich verlaufen.

Forschende gehen davon aus, dass sich im Ersten Weltkrieg mehr als eine Million Soldaten an dem Schützengrabenfieber erkrankt sind.

Kanadische Mediziner galuben, dass die Krankheit heutzutage oft einfach nicht erkannt wird. Deswegen haben sie einen Bericht darüber veröffentlicht.

Sie hoffen so Kollegen weltweit darauf aufmerksam zu machen, damit bei bestimmten Symptomen wie hohem Fieber, Herzproblemen, Schmerzen in der Brust auch das Schützengrabenfieber in Betracht gezogen wird.