• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Zuerst war der zweite Lockdown nur light, dann wurden die Maßnahmen verschärft. Nun könnte es weitere Einschränkungen geben. Auch, weil es neue Coronavirus-Varianten gibt. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt vor explosionsartig steigenden Fallzahlen in Deutschland. Welche Corona-Schutzmaßnahmen sinnvoll wären, hängt vor allem von der Frage ab, wo sich die Menschen am ehesten anstecken - doch das ist immer noch unklar.

Bald ist der erste Lockdown ein Jahr her - trotzdem herrschen rund um das Coronavirus Sars-CoV-2 und die daraus resultierende Lungenerkrankung Covid-19 noch Ungewissheiten. Das zeigt sich vor allem bei den Maßnahmen gegen die Pandemie: Welche sind sinnvoll? Wo schränkt der Staat unnötig stark ein? Derzeit lassen sich die Quelle einer Infektion kaum bis gar nicht nachverfolgen, weil die Infektionszahlen so hoch sind.

Ausgangssperre, FFP2-Masken, Homeoffice

Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, fordert angesichts der immer noch hohen Infektions- und Todeszahlen, eine Verschärfung der Maßnahmen. Darunter zum Beispiel eine nächtliche Ausgangssperre, die Pflicht, FFP2-Masken im Supermarkt zu tragen, und die Anordnung von Homeoffice in allen Bereichen, in denen das möglich ist. Das soll vor allem eines verhindern: Die Ausbreitung der Mutation B117, die in Großbritannien zuerst entdeckt wurde.

"Das Ansteckungsrisiko der neuen Variante ist sehr viel höher als das der bisherigen - und zwar sechs bis achtmal höher."
Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte

Denn: Zunächst würde sich eine Ausbreitung der neuen Variante wohl kaum bemerkbar machen. Die alte Variante würde etwas zurückgehen, während die neue wächst, erklärt Karl Lauterbach.

Das würde zunächst noch nach stabilen Verhältnissen aussehen. Doch darauf würde eine plötzliche Explosion der Fallzahlen folgen - und das ist dringend zu verhindern. Die neue Mutation ist ernst zu nehmen: Kein Experte hatte damit gerechnet, sagt Karl Lauterbach.

Verschärfung notwendig

Der Gesundheitsexperte betont: Eine Verschärfung der Maßnahmen ist notwendig. Die bisherigen helfen zwar, die alte Variante einzudämmen, doch die Mutation könne sich trotzdem weiter ausbreiten. Bei einer Verschärfung der Maßnahmen würde die alte Variante stark zurückgehen und die Infektionen durch die Mutation stabil bleiben. Das muss das Ziel sein, sagt Karl Lauterbach.

"Wir können auf die Erfahrungen der Engländer zurückgreifen. Dort wurde schnell gehandelt und besonders effektiv waren: ein verbindliches Homeoffice, die Schulschließung und abendliche Ausgangssperren."
Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte

Großbritannien habe die Ausbreitung der Mutation gut in den Griff bekommen, sagt der Gesundheitsexperte. Aus diesen Erfahrungen sollten wir lernen. Wirksam war vor allem die Verpflichtung zum Homeoffice, die Schließung der Schulen und abendliche Ausgangssperren. Denn gerade abends würden sich Menschen privat verabreden.

Weniger Viren reichen bei Mutation für Ansteckung aus

Das Problem bei der Mutation: Infizierte haben nicht mehr Viren im Rachen, sondern es reiche eine sehr viel geringere Virenmenge aus, um sich anzustecken. Deswegen fordert Gesundheitsexperte Lauterbach eine FFP2-Maskenpflicht in Supermärkten und im öffentlichen Verkehr. Der Schutz der Alltagsmasken reiche in diesen Fällen nicht mehr aus.

In Großbritannien wird bereits jede 15. positive Corona-Probe sequenziert und auf Mutationen untersucht. In Deutschland war das bisher kaum der Fall. Das soll sich ändern. Die rechtlichen Vorgaben sind dafür schon beschlossen.