Karla Ahansal ist studierte Physikerin und Chemikerin. Eigentlich will sie an der Uni Karriere machen. Doch in einem Marokko-Urlaub lernt sie Brahim kennen. Brahim ist Nomade und arbeitet als Kameltreiber. Karla lässt ihr altes Leben hinter sich und zieht in die marokkanische Wüste.

Ob sich Karla Ahansal ihr Leben vor 30 Jahren so vorgestellt hätte? Woher eher nicht. Mit 20 wollte sie noch eine akademische Karriere machen. Sie hatte Chemie studiert, war in die Physik gerutscht, hat ihren Doktor gemacht. Schon mit 18 war sie mit dem Rucksack per Interrail in Marokko unterwegs und hatte das Land lieben gelernt. Einige Jahre später – inzwischen war sie auch schon verheiratet – zog es sie wieder dorthin. Und sie verliebte sich. In Brahim. Einen marokkanischen Nomaden und Kameltreiber.

Kommunikation am Anfang lief auf anderer Ebene

Zu Anfang konnten sich Karla Ahansal und ihr späterer Ehemann gar nicht mit Worten verständigen. Sie hatten keine gemeinsame Sprache. Erst später lernte er Französisch. Doch Worte, sagt Karla Ahansal, brauchten sie gar nicht.

"Wir kommunizieren auf einer anderen Ebene. Dazu braucht es keine Worte."
Karla Ahansal, Deutsche Akademikerin, die einen marokkanischen Kameltreiber geheiratet hat

Karla sehnt sich nach der Weite Marokkos

Inzwischen lebt Karla Ahansal seit knapp 14 Jahren hauptsächlich in Marokko. Die meiste Zeit verbringt sie im Süden Marokkos, bei ihrem Mann in der Wüste. Dort leben sie sehr abgeschottet zwischen zwei Dörfern in Zelten. Beide haben viele Kamele und leben von Touristentouren durch die Wüste. Ihr Mann gehe mit den Leuten raus, sie kümmere sich um die Logistik, erzählt Karla. Im Sommer, wenn es in Marokko mehr als 50 Grad heiß wird, arbeitet Karla für drei Monate in Lindau am Bodensee, als Heilpraktikerin und Yoga-Lehrerin.

Kamele vor der Farm in Marokko.
© Karla Ahansal
Kamele vor der Farm in Marokko

In Deutschland wird es Karla Ahansal schnell zu eng, sagt sie. Auch, wenn sie in keinen festgefahrenen Strukturen stecke, wie täglich zur Arbeit hetzen zu müssen, merke sie, dass ihr das Hochgetaktete in Deutschland nicht guttut. Dann sehnt sie sich nach der Weite der Wüste – ein idealer Ort für sie zum Meditieren.

"Die Wüste ist eine wunderbare Kulisse zum Meditieren. Ein paar Mal im Jahr gehe ich raus in die Wüste. Es ist eine starke Energie, die dort entstehen kann."
Karla Ahansal, Deutsche Akademikerin, die einen marokkanischen Kameltreiber geheiratet hat
Kamele auf einer Tour durch die Wüste.
© Karla Ahansal
Kamele auf einer Tour durch die Wüste in Marokko.

Thema Frauenrechte: Karla lädt zum Perspektivwechsel ein

Das Thema Frauenrechte sieht sie differenziert. Ihr Mann sei Berber, stellt sie klar. Dort haben Frauen einen hohen Stellenwert. Und generell warnt sie davor, die Kultur in Marokko mit der westlichen Brille zu sehen und danach zu beurteilen.

Zwar sehe das Straßenbild in Marokko anders aus – dort seien weniger Frauen auf der Straße unterwegs, weil ihnen eher das Häusliche zugeschrieben werde. Es sei aber auch freie Entscheidung der Frauen dort, sagt sie.

"Wenn Frauen in Marokko nicht auf die Straße gehen, dann nicht, weil sie nicht dürfen, sondern weil sie nicht wollen."
Karla Ahansal, Deutsche Akademikerin, die einen marokkanischen Kameltreiber geheiratet hat

Karla Ahansal sagt, wir interpretierten das immer vorschnell nach unseren Maßstäben. Es ließe sich aber auch aus umgekehrter Perspektive betrachten: "Marokkanische Frauen bemitleiden die Frauen in Europa. Weil sie sich benehmen müssen wie Männer und nicht so viele Kinder haben können, wie sie wollen."