Warum lernen wir schon als Schüler in Bewerbungstrainings möglichst elegant zu lügen? An wen zahlen wir eigentlich unsere Miete, und was macht der Vermieter damit? Warum werden uns Jobs angeboten, die wir lieben sollen? Die Karriereverweigerer Alix Faßmann und Anselm Lenz stellen sich solche Fragen. Die Antworten gibt es bei ihrem Projekt "Haus Bartleby" - und in der DRadio-Wissen-Redaktionskonferenz mit Kaline Thyroff.

Unser Konzept von Arbeiten und Leben muss dringend geändert werden, sagen Alix Faßmann und Anselm Lenz. Sie bezeichnen sich als Karriereverweigerer und haben zusammen das virtuelle und inzwischen auch reale Haus Bartleby gegründet - das "Zentrum für Karriereverweigerung". Alix und Anselm haben das Haus als Netzwerk geplant, zum Beispiel für Menschen, die sich die Frage stellen: Für wen arbeite ich hier eigentlich? Und warum werde ich schon in der Schule auf Karriere getrimmt?

Engagement verflogen

Alix hat dazu auch ein Buch geschrieben. "Arbeit ist nicht unser Leben: Anleitung zur Karriereverweigerung" hat sie es genannt. Darin beschreibt sie zum Beispiel, dass Karriere eigentlich dumm und Ehrgeiz krank macht. Sie hat es selbst erlebt: Sie hatte eine Stelle bei der SPD angenommen, sollte ein innovatives Onlineprojekt aufbauen. Nach einem Jahr merkte sie, dass es mit dem Projekt nicht weiter geht, das Engagement der Partei war verflogen, ihre Arbeit mehr oder weniger für die Tonne.

Die Idee zum Buch ist Alix auf ihrer Reise entstanden, als sie Anselm Lenz in Sizilien bei der Oliven-Ernte kennengelernt hat. Er hat sie dazu angeregt ihre Ideen und Gedanken aufzuschreiben.

"Es ist nicht die Aufgabe der Ausbildung, einen Philosophen dahin zu trimmen, nachher in einer Werbeagentur zu arbeiten."
Anselm Lenz

Zusammen betreiben Alix und Anselm heute die Kampagne "Haus Bartleby". Das ist Lobby-Arbeit und ein Ort, an dem sich Menschen austauschen können, die sich ähnliche Fragen stellen: Wozu das alles? Passt meine Arbeit zu mir? Sind Karriere und Geld mein obersten zu erreichenden Ziele? Es gibt Projekte zum Mitmachen, zum Beispiel können Nutzer Texte schreiben oder Videos schicken.

Alix und Anselm wollen niemanden dazu bewegen, einfach den Job zu kündigen. Das Motto ist eher: Wir steigen aus dem System aus, aber verlassen dafür nicht das Land, sondern setzen uns zusammen, beschweren uns - und treten für unsere Freiheit und unsere Rechte ein.