In den 1950ern wurden pro Kopf im Jahr fast 190 Kilogramm Kartoffeln gegessen, heute sind es nicht mal mehr 60 Kilo. Dabei ist die einst so beliebte Beilage nicht nur lecker, sondern auch ziemlich gesund. Unser Reporterin Krissy Mockenhaupt erklärt, wieso wir ruhig öfter mal zur Kartoffel greifen können.

Dass wir heute viel seltener Kartoffel essen, liegt auch daran, dass es inzwischen eine viel breitere Auswahl an Gemüsen und Getreidesorten gibt, die wir als Beilage essen können. Quinoa, Bulgur und Süßkartoffeln sind nur einige von ihnen, die Oma und Opa uns früher nicht zum Sonntagsbraten auf den Teller gegeben haben.

Nachhaltigkeit

Besonders wenn sie aus deutschem Anbau stammen, sind Kartoffeln nachhaltig. Für die Zucht von Kartoffeln wird relativ wenig Wasser gebraucht. Hierzulande wachsen Kartoffeln fast nur mit Regenwasser – das spiegelt sich auch in ihrem ökologischen Fußabdruck wider.

Wenn Kartoffeln von Ägypten nach Deutschland importiert werden, ist das allerdings nicht sehr ökologisch. Für den Anbau wird viel Wasser verbraucht und die langen Transportwege verschlechtern die Umweltbilanz. Eigentlich wäre es in Deutschland nicht notwendig, Kartoffeln zu importieren, weil wir selbst genug produzieren, allerdings wollen im Frühjahr viele von uns gerne frisch geerntete Kartoffeln auf dem Teller. Diese Nachfrage bedienen die Supermärkte unter anderem mit Ware aus Ägypten.

"Deutsche Kartoffeln aus einem guten Lager schmecken auch im Mai und im Juni. Die sind deutlich geschmacksintensiver als diese frischen, wasserhaltigen Kartoffeln aus Ägypten."
Max Kainz, vom Lehrstuhl für Öko-Landbau und Pflanzenbausysteme an der TU München

Lange Transportwege auch bei anderen Lebensmitteln

Der lange Transport sorgt auch bei anderen Nahrungsmitteln, die wir gerne als Beilagen für Gerichte nutzen, für eine schlechte Klimabilanz. Im Vergleich zur Kartoffel kommt Reis meist aus Asien, Quinoa und Süßkartoffeln werden aus Südamerika eingeführt. Auch Nudeln – oder eher ihre Inhaltsstoffe – haben oft einen langen Weg hinter sich. Der Hartweizen, der zu den Nudeln verarbeitet wird, stammt zu einem großen Teil aus den USA und Kanada.

Verwendung von Pestiziden: Minuspunkt für Kartoffelanbau

Wenn Kartoffeln angebaut werden, setzen die Landwirte viele Pestizide ein, sagt der Agrarökonom Max Kainz. Schlecht für die Umwelt, weil dadurch viele Insekten- und andere Tierarten Gifte abbekommen. Wer die Kartoffeln isst, brauche allerdings keine Angst zu haben, sagt der Agrarökonom. Der Hintergrund: Die Kartoffel wächst im Boden und komme so nicht direkt in Kontakt mit Pestiziden, erklärt der Agrarökonom. Bei Gemüse, das oberirdisch wächst, sei das anders. Pestizidrückstände sind oft nachzuweisen – auch wenn die Pflanzenschutzmittel ordnungsgemäß eingesetzt wurden.

"Die Kartoffel wächst im Boden und kommt nicht direkt in Zusammenhang mit Pestiziden. Das ist anders als bei Gemüsen, die über dem Boden wachsen, wo Pestizidrückstände - auch wenn die ordnungsgemäß eingesetzt werden - durchaus vorkommen können."
Max Kainz, vom Lehrstuhl für Öko-Landbau und Pflanzenbausysteme an der TU München

Inhaltsstoffe – Kohlehydrate, aber in Maßen

Viele, die ein paar Kilogramm abnehmen möchten, streichen wegen der Kohlehydrate Kartoffeln von ihrem Speiseplan. Aber das ist eigentlich gar nicht nötig, weil die Knollen viele gute Inhaltsstoffe enthalten und der Gehalt an Kohlehydraten gar nicht so hoch ist, wie viele annehmen.

Kartoffeln bestehen aus hochwertigem Eiweiß, Magnesium, Natrium, Kalzium, Eisen und enthalten zudem noch viel Kalium. Dieser Stoffe ist gut für unser Herz, den Kreislauf und die Muskulatur. Außerdem liefert die vielseitige Knolle auch noch B-Vitamine und viel Vitamin C.

Dagegen enthalten Kartoffeln vergleichsweise wenige Kalorien, nämlich nur 70 Kilokalorien auf 100 Gramm. Zum Vergleich: Je nach Sorte hat Reis zwischen 100 und 130 Kilokalorien und Nudeln etwa 140 bis 160 Kilokalorien auf 100 Gramm – in gekochtem Zustand.

Gesünder, wenn nicht zu viel Fett drangegeben wird

Wenn die Kartoffel richtig gesund sein soll, dann empfiehlt es sich, sie auf einem Blech im Backofen zu backen oder in Salzwasser zu kochen. Die gesündeste Variante der Kartoffel: als Pellkartoffel mit Schale. So bleiben viele der gesunden Inhaltsstoffe enthalten und werden nicht an das Kochwasser abgegeben.

Kartoffel vs. Süßkartoffel

Die Süßkartoffel ist nur entfernt mit der Kartoffel verwandt. Als Wurzel- und Knollennahrungspflanze belegt sie – nach Kartoffeln und Maniok – den dritten Platz bei der Weltproduktion. Sie enthält 80 Kilokalorien auf 100 Gramm, also etwas mehr Kohlenhydrate als die Kartoffel, aber weniger als die sonst üblichen Stärkebeilagen wie Nudeln oder Reis. Auch Vitamin A und Beta Carotin findet man in der Süßkartoffel – wie zum Beispiel auch in Möhren.

Gute Nährwerte im Vergleich

Was die Nährwerte angeht, schneiden Kartoffeln und Süßkartoffeln deutlich besser ab, als Nudeln und Reis – selbst wenn wir die Vollkornvarianten essen. Als besonders nachhaltiges Wurzelgemüse kann aber zumindest die Süßkartoffel nicht gelten. Oft wird sie in Südamerika oder China angebaut – sie hat also einen weiten Weg hinter sich, bis sie bei uns im Supermarktregal liegt