Der Emir von Katar ist zu Besuch in Deutschland, um die guten wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder zu pflegen. Der Wüstenstaat ist zwar klein, aber ein wichtiger politischer Player.

Die Stimmung im Vorfeld der Reise des Emirs von Katar nach Deutschland war nicht ganz so gut: Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, warf Katar Ende August vor, die Terrororganisation IS zu finanzieren. "Das hat einen kleinen Skandal ausgelöst und immerhin dazu geführt, dass sich die Kataris mal erklären müssen", sagt Daniel Gerlach, Chefredakteur der Orient-Fachzeitschrift Zenith.

Katar ist wirtschaftlich ganz weit vorne

Gerd Müller hat sich inzwischen entschuldigt. Beim Besuch des Emirs von Katar in Deutschland kann also wieder über das Geschäft geredet werden. Die deutschen Beziehungen zu Katar seien ziemlich gut, sagt Daniel Gerlach, beide Länder seien vor allem über gemeinsame wirtschaftliche Interessen verbunden.

"Die Kataris haben einen unheimlich großen Staatsfonds, in den ihre Öl- und Gaseinnahmen fließen. Das Geld muss natürlich irgendwo investiert werden."

Frankreich, Deutschland, Spanien - durch Investitionen überall auf der Welt versuche Katar, sich bei potenziellen Verbündeten unersetzlich zu machen. Denn auch politisch spielt der kleine Wüstenstaat eine wichtige Rolle, sagt Daniel Gerlach, "auch in vielen Regionalkonflikten in der arabischen Welt, von denen wir nicht so viel mitbekommen." Unter anderem deshalb bezeichnet der Journalist Katar als "kleinste Supermacht der Welt".

"Die Kataris können nicht nur die Vermittlerrolle spielen, sondern haben auch das entsprechende Scheckbuch, um Garantien zu erkaufen."
Daniel Gerlach, Chefredakteur der Zeitschrift Zenith

In Katar seien um die 10.000 US-Soldaten stationiert, von hier würden wichtige Flüge durchgeführt und wichtige militärische Entscheidungen getroffen, sagt Daniel Gerlach. Er kann sich vorstellen, dass die USA Katar als "Good Cop" benutzen: "als Macht, die mit denen redet, mit denen man sich selbst nicht an einen Tisch setzen will."

Allerdings, so Daniel Gerlach, habe Katar sich in den letzten Jahren durch seine kurzfristige, "in Teilen größenwahnsinnige Außenpolitik" etwas übernommen - was der Emir von Katar nun wieder in Ordnung zu bringen versuche.