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Katastrophen-Apps, SMS, Sirenen oder Meldungen in Radio und Fernsehen. Nach den Unwetterkatastrophen im Juli 2021 in Deutschland werden verschiedene Möglichkeiten für den Katastrophenschutz diskutiert. Aber es geht dabei nicht nur um technische Wege der Übertragung, sondern auch um die Verständlichkeit der Warnungen für die Betroffenen.

Die materiellen Schäden nach der Überflutung in den entsprechenden Regionen werden erst nach und nach sichtbar. Auch die Zahl der Toten und Vermissten ist nicht abschließend geklärt. In den Behörden wird nach Lösungen gesucht, um Menschen in zukünftigen Extremsituationen zu warnen und so zu schützen.

Gesine Hofinger ist Beraterin des Forschungsberatungsunternehmens Team HF und hat sich im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Universität Jena mit der Verständlichkeit von Warnungen befasst. Sie erklärt, die Verständlichkeit einer Warnung hänge auch von der Wahrnehmung der Wörter bei Empfänger*innen ab. Je nach Erfahrung der Person, der Umgebung, in der eine Person lebt reagierten Menschen individuell auf Schlagwörter. Die Psychologin erläutert es an dem Beispiel des Wortes "Starkregen".

"Es kommt auf unsere Erfahrung mit Regen an. Es kommt darauf an, wo wir leben. Wenn wir auf einem Hügel leben, dann ist die Gefahr eines Starkregens nicht so groß. Wenn wir an einem Fluss leben, der bei starkem Regen öfter anschwillt, dann werden wir auf unsere Erfahrung zurückgreifen. Das heißt, die Verständlichkeit einer Warnung hängt natürlich an der individuellen Erfahrung mit Wörtern."
Gesine Hofinger, Beraterin eines Forschungsberatungsunternehmens
Damit Warnungen verständlich sind, müsse die Konsequenz benannt werden. Weiter weist die Psychologin darauf hin, dass Menschen Warnungen in Bildern stärker wahrnehmen. Die Gefahr sei dann realer begreifbar.
"Mit Bildern, Piktogrammen, Karten und Darstellungen können wir schnell und einfach viele Informationen gleichzeitig vermitteln oder auch aufnehmen."
Gesine Hofinger, Beraterin eines Forschungsberatungsunternehmens
So führt sie aus, dass eine Warnung, von der wir persönlich erfahren, emotionaler aufgenommen und verarbeitet werde. Beim Lesen habe man den Vorteil, sehr viele Informationen und Handlungsempfehlungen zu vermitteln. Eine Warnung kann in schriftlicher Form sehr viel ausführlicher und mit mehr Hinweisen erfolgen. Zum Beispiel, wenn sie im Radio vorgelesen wird.

Keine pauschale Empfehlung für die Warn-SMS

Der Vorteil einer Sirene sei, dass sie einen Weckeffekt habe. Im besten Fall wecke sie Aufmerksamkeit. Eine Handlungsempfehlung kann die Sirene allein nicht geben. Pauschal will Gesine Hofinger die SMS nicht als Warnmittel empfehlen.
"Eine SMS halte ich immer dann für nützlich, wenn es sich um ein lokal stark begrenztes Ereignis handelt. Denn diese Warnung könnte ja über Funkmasten genau gesendet werden. Das heißt, dann kann ich Menschen sehr gezielt in bestimmten Gebieten warnen."
Gesine Hofinger, Beraterin eines Forschungsberatungsunternehmens

Letztendlich liege es immer auch in der Verantwortung eines Menschen, aus einer Warnung eine Handlung folgen zu lassen, sagt Gesine Hofinger.