Extreme Zucker-, Fett- und Salzwerte lassen sich mit Leichtigkeit kennzeichnen. Aber was ist Bewertung, was ist hier Information? Einblicke in das heikle Thema Lebensmittelkennzeichnung.

In vielen Ländern ist die Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln schon länger Standard – inklusive deutlicher Bewertung der Gesundheitsrisiken. In Deutschland wird darüber seit gut zehn Jahren diskutiert. Ernährungsministerin Julia Klöckner lässt die Absicht erkennen, solche Markierungen wirklich einzuführen – Stichwort Lebensmittelampel. Ihr Ministerium lässt Experten und die Bevölkerung befragen, wie ein solches Label aussehen und welche Informationen es darstellen soll.

Bewertung inklusive

Unsere Reporterin Rebekka Endler findet die Grundidee so simpel wie einleuchtend. Ein solches Label stellt die Vielzahl von Nährwertinformationen als leicht verständliches Bildchen dar. So lassen sich verarbeitete Lebensmittel im Idealfall rasch und mit einem Blick einordnen. Das Ziel der grafischen Information inklusive der Bewertung: eine gesündere und ausgewogenere Ernährung.

Benedikt Merz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max Rubner Institut in Karlsruhe. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat er die Suche nach einem passenden Nährwertkennzeichnungsmodell in Deutschland wissenschaftlich begleitet. Er hat nicht nur alle Modelle wissenschaftlich untersucht, sondern mit seinem Team ein eigenes Modell entwickelt.

"Wir haben festgestellt, dass wir bei der Vielzahl von Modellen, die auf dem Markt sind, ganz unterschiedliche Schwerpunkte von Kennzeichnungen haben."

Die Modelle würden sich im Wesentlichen darin unterscheiden, ob sie beschreiben oder bewerten, sagt Benedikt Merz. Die einen beschrieben nur anhand einer Referenzmenge den Gehalt verschiedener Inhalts- und Nährstoffe. Die anderen bewerten auch, ob die Menge gering, mittelmäßig, oder hoch ist. Manche bewerten das Produkt als Ganzes.

Ein Beispiel dafür ist die französische Nutri-Score mit fünf Stufen von A bis E und farblich von Dunkelgrün bis Rot. Berücksichtigt werden dafür Zucker-, Fett-, und Salzgehalt. Was nach wissenschaftlichen Maßstäben als gut für die Gesundheit gilt, kriegt einen Minuspunkt. Ungünstige Nährwertelemente haben Pluspunkte. Am Ende wird alles addiert und je höher der Wert ist, desto schlechter das Abschneiden. Auf dem Nutri-Score wäre das ein rotes E. Etwas sehr Gesundes hingegen ein dunkelgrünes A.

Zuckersteuer als Gegenmittel

Die Kennzeichnung findet sich bereits auch in Supermärkten in Deutschland – auf den Produkten mancher französischer Hersteller. Laut Benedikt Merz ist die Deutung von komplexeren Tabellen vor allem eine Frage der Vorbildung und er weist auf ein anderes Mittel hin: die sogenannte Zuckersteuer, wie sie im Vereinigten Königreich eingeführt wurde.

"Die Kollegen in England haben noch eine Zuckersteuer zusätzlich eingeführt, die auch schon potenziell erste Erfolge zeigen könnte."

Coca Cola hat den Zuckergehalt all seiner Getränke in Großbritannien schon gesenkt. So ein Modell kann also ein erster Schritt sein, meint Rebekka. Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker wendet sich gegen die Nutri-Score und hat in einer Pressemitteilung vor einer Nährwertkennzeichung gewarnt. Der Verein lässt mitteilen, sie könne zu einer Verbraucherfalle werden.