Plastische Chirurgen berichten von Menschen, die so aussehen wollen wie das Selfie-Ich, über das der Beauty-Filter drüber gerauscht ist. Das ist ein Grund, warum eine Kennzeichnungspflicht für stark bearbeitete Bilder diskutiert wird.

Überhöhte Idealvorstellungen können psychischen Druck auf diejenigen ausüben, die versuchen ihnen zu entsprechen: Ohne Beautyfilter wirkt die Haut zu uneben, die Nase zu groß, die Haare sind nicht voll genug, und die Augen wirken zu müde.

Wer gewohnt ist, für bearbeitete Fotos, die er oder sie in den sozialen Medien teilt, Likes zu erhalten, wünscht sich auch im echten Leben oft mehr Zuspruch für das eigene Aussehen. Manche glauben, dass sie dieses Ziel durch einen Besuch beim Beauty-Doc erreichen können.

Aussehen wie das Selfie-Ich mit Beautyfilter

Laut der Vereinigung ästhetisch-plastischer Chirurgen wollen 70 Prozent der Patientinnen und Patienten, die mit einem Wunsch-Foto in die Praxis kommen, nicht wie ein bestimmter Star aussehen, sondern wie ihr Selfie-Ich mit Beautyfilter.

Bilder mit Beautyfiltern werden als authentischer wahrgenommen

Die Psychologin Eva Wunderer sagt, dass unser Selbstbild auf den sozialen Medien einen Einfluss darauf haben kann, wie wir uns außerhalb von Instagram und Co. wahrnehmen und wie wir zu unserem Aussehen stehen. Oft nehmen uns andere Menschen mit Beautyfiltern sogar als authentischer dar, wenn sie diesen Anblick von uns auf Social-Media-Kanälen gewohnt sind.

"Ich gehe vom virtuellen ins reale Leben und sage: 'Ja, dann muss ich mehr trainieren, dann muss ich weniger essen, damit mein Körper so wird, wie mir das hier gezeigt wird.'“
Eva Wunderer, Psychologin

Der psychische Druck, den Idealbilder von uns selbst erzeugen, kann in extremen Fällen sogar zu Essstörungen führen. Eva Wunderer hat dazu geforscht: An der Universität Landshut hat sie Menschen mit Essstörungen und ihrem Verhältnis zu sozialen Medien untersucht.

Aber sie sagt auch, dass Beautyfilter nur einer von verschiedenen Faktoren sind, die psychische Erkrankungen wie Essstörungen hervorrufen können.

Neben Psychologinnen, Medienpädagogen und Landesmedienanstalten, die die Problematik kennen, fordert auch Katharina Fegebank, die Gleichstellungssenatorin der Grünen aus Hamburg, ein Gesetz, das die Kennzeichnung von Beautyfilter rechtlich festlegt.

"Das erschreckende ist: Die, die mit Filter erkannt werden, werden oft als schöner und sogar als natürlicher wahrgenommen."
Eva Wunderer, Psychologin

Erste politische Schritte werden wohl Ende Juni bei der Gleichstellungsministerkonferenz in Hamburg gemacht. Hier soll zunächst ein Antrag für ein entsprechendes Gesetz vorgelegt werden.

Sollte ein entsprechendes Gesetz auf Bundesebene verabschiedet werden, müsste die Länder dafür sorgen, dass es umgesetzt wird. Diese Aufgabe würde den Landesmedienanstalten zufallen.

Der Vorsitzende der Kommission für Jugendmedienschutz Marc Eumann spricht für die Landesmedienanstalten. Er findet solch einen Gesetzesvorschlag grundsätzlich gut.

"Da gilt am besten eine Regel für alle: Wenn ich solche Beautyfilter nutze, dann mach ich das kenntlich. Und dann wissen meine FollowerInnen, woran sie bei mir sind."
Marc Eumann, Vorsitzende der Kommission für Jugendmedienschutz