Beinahe klimaneutrales Kerosin? Mit der Wärme des Sonnenlichts lässt es sich herstellen. In der Nähe von Madrid steht eine Versuchsanlage, die funktioniert.

Sehr viel Sonnenlicht, Wasser und Kohlenstoffdioxid: fertig ist das Kerosin. Genau an diesem Prozess arbeitet das europäisch-schweizerische Versuchsprojekt Sun-to-Liquid. Im kleinen Maßstab ist die Umwandlung in einer Anlage gerade zum ersten Mal gelungen. Beteiligt sind unter anderem die ETH Zürich, das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt und der Verein Bauhaus Luftfahrt.

Die Solaranlage des Projekts steht in Mostoles bei Madrid. Dort wird Sonnenlicht mit Hilfe eines Spiegelfelds 2500-fach konzentriert. Das führt zu Reaktortemperaturen von über 1500 Grad Celsius und einer thermochemischen Reaktion aus Wasser und CO2. Im Ergebnis bleibt eine Mischung aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid, die dann in der Anlage in Kerosin umgewandelt wird.

"Das Synthesegas kann man dann über ganz klassische chemische Verfahren in genau das Kerosin umwandeln, was wir heute in unseren Flugzeugen benutzen."
Christian Sattler, Abteilungsleiter Solare Verfahrenstechnik, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Ziel der Forscherinnen und Forscher ist es, das Verfahren zu skalieren, Kerosin auf diesem Weg also massenhaft herzustellen.

Bestens geeignet für Flugzeugturbinen

Die Vorteile des Endprodukts liegen auf der Hand. Kerosin lässt sich in die bestehende Energieinfrastruktur bestens einspeisen, erzeugt unterm Strich aber 80 Prozent weniger CO2 als herkömmliches Kerosin, das auf Erdöl basiert.

"Die Anlage ist noch relativ klein. Wir müssen die Methode auf industriellen Maßstab bringen."
Christian Sattler, Abteilungsleiter Solare Verfahrenstechnik, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Für kleine und abgelegene Flughäfen könnte das Sun-to-Liquid bereits in einigen Jahren anwendbar sein und Kraftstoff in relativ geringem Umfang produzieren, sagt Christian Sattler. Er schätzt, dass in zehn bis 15 Jahren die ersten Anlagen für die Großproduktion in Betrieb sein könnten.

"Wir glauben, dass die Entwicklung noch etwa 10 bis 15 Jahre dauert. Das kommt darauf an, was man damit erreichen möchte."
Christian Sattler, Abteilungsleiter Solare Verfahrenstechnik, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt