Autisten sind an Sachthemen interessiert. Smalltalk überfordert sie. Doch wie ein Autist wirklich die Welt empfindet - das werden Nicht-Autisten nie erfahren.

Mediziner sprechen von einem autistischen Spektrum. Das ist auch nötig, denn es gibt nicht das eine Autismus-Bild, das alle Symptome beschreibt. Aber doch gibt es Tendenzen. So weiß man: Kinder mit Autismus suchen häufig keinen Blickkontakt zu den Eltern, lernen spät oder nie richtig zu sprechen, ziehen sich zurück in spezielle Rituale.

Die Diagnosen Asperger - eine Form des Autismus - und Autismus werden heute nachweislich häufiger gestellt als früher. Doch das liegt höchstwahrscheinlich nicht daran, dass heute tatsächlich mehr Menschen Autismus haben, sagt Kai Vogeley, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie und Professor an der Universität Köln. Denn Autismus ist stark genetisch bedingt. Und das Genom des Menschen ändert sich in 20 Jahren nicht so stark, als das damit eine gestiegene Autismus-Zahl begründet werden könnte.

Vielmehr sind Erzieher, Lehrer und Eltern heute aufmerksamer, kennen die Symptome besser, suchen häufiger als früher Ärzte auf zur Diagnose.

Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth über die Häufigkeit, Ursachen und Erkennungsmethoden von Autismus
"Das Erbgut spielt eine große Rolle. Ein bis zwei Prozent aller Kinder entwickeln autistische Züge. In Familien mit Autismus sind es 10 bis 20 Prozent."

Es ist zwar aus vielen Beobachtungen und Erzählungen bekannt, was das Autist-Sein ausmacht - aber einem Nicht-Autisten wird es wohl nie wirklich gelingen, das Autist-Sein nachzuempfinden. Fest steht: Viele Autisten sind in der Regel eher an Sachthemen, weniger an der Beziehungsebene zwischen zwei Menschen interessiert.

Kai Vogeley nennt ein Beispiel: Es ist kein Problem, mit einem Autisten eine Stunde lang über den von ihm geschriebenen Quelltext einer Software zu sprechen. Fragt man dann plötzlich, wo er dieses Jahr seinen Urlaub verbringen wird, wirft ihn das aus der Bahn.