Bei den Kindern bis zur F-Jugend soll alles anders werden. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) führt dort das Konzept Funino ein: keine normalen Spiele mehr am Wochenende, stattdessen nur noch Turniere, außerdem vier Tore statt zwei und kein Torwart.

Der DFB möchte noch mehr Kinder für den Fußball begeistern – auch die, die vielleicht nicht zu den Allerbesten gehören.

"Die Idee: dahinter: mehr Spaß am Fußball, für möglichst viele Kinder - auch für die, die nicht so mega-talentiert sind."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk Nova

Bisher sind bei den Jüngeren sieben Spieler gegen sieben Gegner angetreten. Jede Mannschaft hatte dabei ein Tor. Zukünftig sollen nur noch Turniere gespielt werden, auf kleinen Feldern, maximal fünf Spielerinnen pro Mannschaft. Funino sieht außerdem vor, auf vier Mini-Tore zu schießen und auf den Torwart ganz zu verzichten. Es gibt also mehr Chancen, Tore zu erzielen und Erfolgserlebnisse zu haben.

Weniger Frust, mehr Erfolgserlebnisse

Außerdem wird nun ständig ausgetauscht, es gibt also keine klassischen Auswechselspieler mehr, die teilweise das ganze Spiel auf der Bank versauern, weil sie einfach nicht so gut sind wie ihre Mitspielenden. Nach jedem Tor wird ein neues Kind eingewechselt. Sportwissenschaftler wie Sebastian Schwab von der Sporthochschule Köln halten das für ein sehr gutes Konzept.

"Das Schöne daran ist, dass jedes Kind mal ein Tor schießt und jedes Kind spielen darf."
Sebastian Schwab von der Sporthochschule Köln im Interview mit der ARD Sportschau

Weil nur ein Teil der Kinder nominiert wird für ein Spiel, sei es bisher so gewesen, dass dann oft drei am Samstag Zuhause bleiben mussten. Das hält Sebastian Schwab für "komplett kontraproduktiv". Durch die Umsetzung des Konzepts in der Breite erhofft sich der DFB, dass weniger Kinder als bisher mit dem Fußballspielen aufhören – aus Enttäuschung und Frust darüber, dass sie nicht eingesetzt werden. "Durch seine vielen kleinen Vorteile hat Funino einen ganz großen: Ohne dass die Besseren, Älteren, Stärkeren vernachlässigt werden, fördert Minifußball die Schwächeren, Kleineren, Jüngeren", schreibt Oliver Fritsch in der "Zeit".

Konzept ist nicht neu

Das Konzept Funino ist nicht neu, einige Vereine und Verbände probieren es schon länger aus. Nach Informationen der Sportschau soll es aber nun nach und nach in ganz Deutschland eingeführt werden – bei allen Kindern bis zur F-Jugend, also bis 11 Jahre. In der nächsten Saison sollen die Kreise noch auswählen können, ob sie normale Spiele wollen oder schon die Turniere.

Ein Turnier zu organisieren ist aufwändiger als der normale Spielbetrieb. Manche kleinen Vereine sind deshalb noch etwas skeptisch. Die Turniere sollen aber seltener stattfinden als die Spiele, zudem wollen die Verbände die Vereine bei der Organisation unterstützen, sagt Oliver Zeppenfeld, Jugendbildungsreferent beim Fußball-Verband Mittelrhein, in der Sportschau.

"Tendenziell wird man erst alle vier bis fünf Wochen ein neues Heimspiel und Turnier ausrichten müssen - wenn überhaupt. Von daher ist es einmalig ein größerer Aufwand."
Oliver Zeppenfeld, Jugendbildungsreferent beim Fußball-Verband Mittelrhein

Die Kinder haben dann also einmal ein Heim-Turnier und dann vier Mal ein Auswärts-Turnier. Ein Streitpunkt ist noch, wer zum Beispiel die kleinen Tore bezahlt, die gekauft werden müssen für die neue Turnier-Form. Ein Vorschlag ist, dass die Gäste Tore mitbringen, wenn die Gastgeber-Mannschaft nicht genug hat.

Kritik an Funino

Kritiker, die das Konzept ablehnen, weil es "mit echtem Fußball nichts mehr zu tun" hat, gibt es natürlich auch. Sogar ehemalige Profis haben sich schon in die Debatte eingeschaltet, der frühere Fußball-Nationaltorwart Bodo Illgner zum Beispiel. Er findet, dass es nicht gut ist, ganz ohne Torwart zu spielen und Kinder erst mit zehn oder elf Jahren ins Tor zu stellen.

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