Matt Damon in einer amerikanisch-chinesischen Produktion: In Peking stellt er "The Great Wall" vor. Aus gutem Grund: In einem Jahr dürfte China der größte Kinomarkt der Welt sein.

Hollywood-Stars kommen rum - die Filmfestspiele in Venedig, Cannes oder Berlin - und dann die Dreharbeiten auf der ganzen Welt. Für viele Stars könnte künftig immer öfter China dazukommen. Matt Damon macht den Anfang. Auf einer Pressekonferenz in Peking stellt er den Film "The Great Wall" vor - eine amerikanisch-chinesische Co-Produktion. Ein erstes Indiz dafür, dass Hollywood in China Fuß fassen will.

Aus gutem Grund: China dürfte schon bald der größte Kinomarkt der Welt sein. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Kinobesucher um rund 50 Prozent gestiegen, erzählt unser Korrespondent Axel Dorloff. Fast 1,3 Milliarden Kinokarten wurden verkauft und damit ein Gesamtumsatz von knapp sieben Milliarden Dollar erzielt.

"Das chinesische Kino boomt - keine Frage."
Axel Dorloff, Korrespondent in China

Jeden Tag eröffnen rund 15 neue Kinos in China - und das gerade in Vororten und im ländlichen Raum - also auch in Regionen, in denen es bislang kaum etwas auf der Leinwand zu sehen gab. Kaum mehr vorstellbar, dass es vor zehn Jahren noch fast kein Multiplex-Kino gab und kaum ausländische Filme gezeigt wurden.

"Mittlerweile gibt es in China landesweit mehr als 5000 Großkinoanlagen und rund 40.000 Leinwände."
Axel Dorloff, Korrespondent in China

Wer diesen lukrativen Markt erobern will, muss aber einiges beachten: Es gibt Zensur, nicht selten werden Szenen aus einem Hollywoodfilm herausgeschnitten. Die Vorlieben der chinesischen Zuschauer gelten vielen ausländischen Produzenten immer noch als Rätsel. Ohne chinesischen Partner zielen viele Produktionen am Geschmack in China vorbei. Aber Hollywood bleibt nicht untätig. So hat der Schauspieler Orlando Bloom mit einem chinesischen Partner gerade eine Filmproduktionsfirma gegründet, um in Zukunft besser aufgestellt zu sein.

Ziemlich erfolgreich war in diesem Jahr in China der World-of-Warcraft-Film, der im Rest der Welt die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Das Spiel, auf dem der Film beruht, ist bei Chinas Jugendlichen sehr beliebt. Die ganz großen Massen gehen aber eher in chinesische Produktionen, sagt Axel Dorloff. "The Mermaid" schaffte es in diesem Frühjahr zum erfolgreichsten chinesischen Film aller Zeiten. Und in diese Richtung geht auch der Geschmack der chinesischen Zuschauer: Komödien, Romanzen, typisch chinesisch verpackt.

Eine echte Koproduktion

Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich "The Great Wall" an den chinesischen Kinokassen schlagen wird. Auch weil es diesmal kein Film ist, der von Hollywood nach China gebracht wurde oder umgekehrt, sondern eine echte Koproduktion zwischen chinesischen und amerikanischen Studios. Also ein Film, der von Anfang an darauf angelegt war im Westen und in China ein Erfolg zu werden.

Regisseur Zhang Yimou wird gerne als chinesischer Steven Spielberg bezeichnet. Mit rund 150 Millionen Dollar ist "The Great Wall" die teuerste chinesische Produktion der Filmgeschichte. Für das westliche Publikum wurden westliche Hollywood-Stars wie Matt Damon verpflichtet, die gemeinsam mit chinesischen Stars wie Wang Junkai vor der Kamera stehen, Teil einer der erfolgreichsten chinesischen Boybands, der Chinesen viel mehr ins Kino ziehen dürfte als Matt Damon.

Das Genre ist irgendwo zwischen Fantasy, Action und Abenteuer angesiedelt. Es geht um eine Gruppe von Söldnern, die die Menschheit an der Großen Mauer gegen eine Armee von Monstern verteidigen soll. Und hier könnte dann das Problem liegen, aller professionellen Planung zum Trotz: Die Story ist ein bisschen dünn, sagt unser Korrespondent Axel Dorloff.