Innenraum, keine Fenster, enge Bestuhlung: Schlechte Voraussetzungen für Kinos. Kinobetreiber Steffen Presse hat trotzdem Ideen für Schutzmaßnahmen. In einem Punkt hätten Kinos sogar Vorteile gegenüber Supermärkten.

Auch das Kino "Lumos" im hessischen Nidda musste im Zuge der Corona-Pandemie schließen. Die Kunden und Kundinnen unterstützen das Filmhaus mit Gutscheinkäufen.

Auf Autokino umzustellen, hatte sich für das Lumos wirtschaftlich nicht gelohnt, sagt der Kinobetreiber Steffen Presse. Aber das Kino hat eine Besonderheit: eine Gastronomie, die mehr als Popcorn anbietet. Auf Essen zum Mitnehmen hat das Kino schon eine Woche nach der Schließung umgestellt. Und das Geschäft läuft gut. "Das wird sehr gut angenommen", sagt Steffen Presse.

Kredit von 500.000 Euro

Doch die finanziellen Miese durch die notwendige Kinoschließung kann die Gastronomie nicht ausgleichen. Das Team hatte noch vor dem Lockdown einen Finanzplan für die kommenden sechs Monate entwickelt.

"Wir sind jetzt dabei einen Kredit über 500.000 Euro zu finalisieren", sagt Steffen Presse. Denn auch, wenn es in einigen Wochen vielleicht wieder losgeht, braucht es eine Anlaufphase.

Steffen Presse (Mitte) mit seinem Team vom Lumos Kino in Nidda.
Steffen Presse (Mitte) betreibt im Team das Kino "Lumos" in Nidda. 2019 wurde das Lumos zu Deutschlands Lieblingskino gekürt.

Wie es konkret weitergehen könnte, wenn die Kinos wieder öffnen - darüber machen sich Steffen Presse und sein Team schon seit der Schließung Gedanken. Die Besucher und Besucherinnen könnten im Kinosaal wie auf einem Schachbrettmuster platziert werden. Jeweils nach nach links und rechts bleiben drei Plätze frei, ebenso die Sitze direkt vor und hinter einem belegten Kinostuhl.

"Eine Möglichkeit ist es, die Besucher und Besucherinnen im Schachbrettmuster im Saal zu verteilen."
Steffen Presse, Betreiber des Lumos Kinos in Nidda

Beim Online-Ticketverkauf würde direkt angezeigt, welche Sitze belegt sind und welche Plätze drumherum aus Sicherheitsgründen eben nicht gebucht werden können.

Ebenso wäre eine Nachverfolgung der Besucherinnen und Besucher im Kino möglich, falls sich die Kinogänger darauf einlassen. Das heißt, dass ihre Daten aufgenommen und für 14 Tage gespeichert werden.

Im Falle einer Infektion würden die anderen Kinobesucher und -besucherinnen dann direkt informiert. Es ist sogar nachvollziehbar, wer in direkter Nähe zueinander saß. Damit sei die Nachverfolgung im Kino viel besser als an vielen anderen öffentlichen Orten, so Steffen Presse.

"Die Nachverfolgung ist im Kino viel besser möglich als zum Beispiel im Baumarkt, Supermarkt oder im Bus."
Steffen Presse, Betreiber des Lumos Kinos in Nidda

Wann die Kinos wieder öffnen können, ist noch unklar. Der Hauptverband Deutscher Filmtheater versuche mit der Politik in Kontakt zu treten. "Bislang ist es nur mäßig gelungen, sich in der Politik Gehör zu verschaffen", sagt Steffen Presse. Aber das sei absolut nachvollziehbar.

"Wir haben ganz viele und andere Probleme in unserem Land. Und auch weltweit." Dass die Öffnung der Kinos keine Top-Priorität habe, leuchtet ihm ein. Aber es brauche eine Perspektive für die Kinos, nämlich ein Datum, ab wann es wieder losgehen kann und zwar am Besten bundesweit einheitlich.