Jeder darf Pfefferspray und Schreckschusswaffen kaufen und besitzen. Und immer mehr Leute wollen das. Auch die Nachfrage nach dem Kleinen Waffenschein steigt.

Deutschland bewaffnet sich - jedenfalls wird aus verschiedenen Bundesländern wie Berlin, Sachsen oder Bayern berichtet, dass dort in den letzten Wochen deutlich mehr Menschen als üblich im Waffenshop sogenannte "freie Waffen" einkaufen. Besonders beliebt sind Schreckschusswaffen. Der Chef des Verbands Deutscher Waffenhändler hat Medien gegenüber bestätigt, dass auch Pfefferspray derzeit doppelt so viel verkauft wird, wie üblich.

Jeder Volljährige darf sich Schreckschuss-, Reizstoff- oder Signalwaffen kaufen und besitzen. Um diese Waffen aber mit sich herum zu tragen, braucht man den Kleinen Waffenschein.

"Dieser kleine Waffenschein ist leicht zu bekommen. Ich kann den auch beantragen, denn ich habe keine Vorstrafen. Und der würde mich dazu berechtigen, eine Schreckschusspistole in der Öffentlichkeit zu tragen."
Timo Nicolas, DRadio-Wissen-Autor

Auch die Nachfrage nach dem kleinen Waffenschein steigt: In Sachsen gab es im Oktober 2015 fast genauso viele Anträge wie im gesamten Jahr 2014, nämlich 226. Auch in Bayern, Brandenburg oder Berlin sind die Zahlen stark gestiegen.

Für diesen Run auf Waffen hat Sascha Braun von der Gewerkschaft der Polizei zwei Erklärungen: Zum einen, sagt er, wurden bei der Polizei viele Stellen gestrichen - gefühlt sei sie dadurch in vielen Gegenden weniger präsent. Zum anderen sei die Zahl der Wohnungseinbrüche in den letzten Jahren stark angestiegen. Die Menschen fühlten sich dadurch weniger sicher, meint er.

Gewagte Schlussfolgerungen

Sachsens Innenminister Markus Ulbich bringt dagegen - wie andere Politiker - die Flüchtlinge ins Spiel. Er spricht davon, dass das subjektive Sicherheitsgefühl nicht mehr in dem Maß vorhanden sei, wie bisher. Sascha Braun von der Polizeigewerkschaft will diese Verbindung aber nicht ziehen.

"Wir halten das für gewagt. Es gibt überhaupt keine Erkenntnisse, dass die Aufnahme von Flüchtlingen jetzt zur Zunahme von Straftaten führt. Es wäre völlig verfehlt, hier einen direkten Zusammenhang zu konstruieren."
Sascha Braun von der Gewerkschaft der Polizei

Schreckschusspistolen sehen echten Waffen täuschend ähnlich - ihre Munition ist aber nicht tödlich. Man kann mit ihnen Gas- oder Signalmunition abfeuern. Pfefferpatronen dürfen nur gegen Tiere eingesetzt werden. Und: Öffentlich damit herum zu schießen, ist untersagt. Sie dienen ausschließlich der Selbstverteidigung, und zwar in Notwehr.