Wer bunte Haare hat oder sich für Flüchtlinge und gegen rechts engagiert, wird eingeschüchtert und sogar zusammengeschlagen. In der Kleinstadt Bitterfeld in Sachsen-Anhalt eskaliert die Neonazi-Gewalt. Und die Stadt schweigt.

Alternative Jugendliche wurden zusammengeschlagen, Parteibüros von Linken und Grünen attackiert. Auf das Wohn- und Kulturprojekt Alternatives Kulturwerk, das die Jugendlichen kurz nur AKW nennen, gab es einen Brandanschlag. Was sich anhört wie Zeitungsmeldungen aus den 90ern, ist in Bitterfeld Realität. DRadio-Wissen-Reporterin Johanna Hemkentokrax hat sich in der Kleinstadt umgehört.

"Du kannst nach zehn Uhr noch nicht mal mehr raus ohne, dass du gucken musst, dass du nicht gleich mal einem ganzen Trupp voller Nazis entgegen läufst"
Nick aus Bitterfeld

Im April hatten Neonazis die Wohnwagen im AKW mit Molotowcocktails angegriffen. Isabell und Daniel leben hier und berichten von der Situation. Angefangen hat es vor einem Jahr mit Mahnwachen rechter Verschwörungstheoretiker, die sich selber Reichsbürger nennen. Keiner in der Stadt habe sich an ihnen gestört, sagen Daniel und Isabell. Die Jugendlichen vom AKW aber gingen hin und verteilten Flyer. Dann gingen die Angriffe los: Neonazis jagten Jugendliche, von denen sie glauben, dass sie zum AKW gehören.

"Ein Molly lag hier unten an der linken Ecke und einer an der rechten Ecke, der an der rechten Ecke hat nicht gezündet."
Isabell aus Bitterfeld

Erst als Menschen aus anderen Städten zu einer Solidaritätsdemo in Bitterfeld anreisten, veröffentlichte die Stadt eine Stellungnahme. Oberbürgermeisterin Petra Wust wollte unserer Reporterin kein Interview geben. Auf Fragen nach rechtsextremen Strukturen antwortet die Stadt gar nicht erst. Dabei treten Neonazi-Parteien offen in Bitterfeld auf. Unterstützt werden sie von rechtsextremen Schlägergruppen.

Städte müssen Neonazis als Problem wahrnehmen

Marco Steckel von der Opferberatung kennt diese Reaktionen aus vielen Kommunen. Er findet sie fatal. Damit die Städte Rechtsextremismus bekämpfen können, müssen sie das Problem auch wahrnehmen.

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