Mit 1200 Todesopfern und wirtschaftlichem Schaden in Milliardenhöhe in 2018 landet Deutschland auf Platz drei des Klima-Risikoindex der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. Damit gehört Deutschland zu den weltweit am stärksten von Extremwettern betroffenen Ländern.

Deutschland ist 2018 das weltweit am drittstärksten von extremen Wetterereignissen betroffene Land – direkt nach Japan und der Republik der Philippinen. Das geht aus dem aktuellen Klima-Risikoindex hervor, den die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch während der Weltklimakonferenz in Madrid vorgestellt hat.

Todesrisiko für Schwächere

Germanwatch berechnet für Deutschland 1200 Todesopfer im Zusammenhang mit Extremwetterereignissen im Jahr 2018. Georg Ehring, DLF-Umweltredakteur, sagt, dass vor allem Menschen mit Vorbelastungen Wetterextremen wie Hitze zum Opfer gefallen sind. Diese sind dann beispielsweise an Herzkreislauferkrankungen oder Herzinfarkten gestorben. Erkrankungen und Schwächungen, die bei einer starken Überlastung des Körpers durch extremes Wetter eher zum Tode führen als bei normalen Wetterverhältnissen.

"Die Schwächeren sind betroffen: ältere Menschen, isoliert lebende Menschen, Leute mit starkem Übergewicht, chronisch Kranke, Säuglinge und Kleinkinder."
Georg Ehring, DLF-Umweltredakteur

Außerdem berechnet Germanwatch einen ökonomischen Schaden durch Extremwetterereignisse von rund fünf Milliarden US-Dollar für Deutschland - umgerechnet 4,5 Milliarden Euro. Im Index werden die Schadenssummen im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung einzelner Länder betrachtet. Eritrea, mit einer sehr viel geringeren Wirtschaftsleistung als Deutschland, würde trotz geringeren ökonomischen Schäden dennoch auf eine höhere Platzierung im Index gelangen, ordnet Georg Ehring ein.

Ernteverluste und Waldschäden

Die ökonomischen Schäden 2018 betreffen in Deutschland überwiegend Land- und Forstwirte. Deren Verluste sind hauptsächlich auf Ernteausfälle und Schäden in Wäldern zurückzuführen. Dazu kommen Schäden durch Niedrigwasser – denn auch die Schifffahrt war beeinträchtigt.

"Die Ernte ist 2018 sehr schlecht gewesen - weit unter dem langfristigen Durchschnitt."
Georg Ehring, DLF-Umweltredakteur

Die Annahme, Deutschland könne vom Klimawandel auch profitieren - beispielsweise durch stärkeres Pflanzenwachstum aufgrund der hohen CO2-Konzentration - sein schon vor Jahren eher von Schönrednern verbreitet worden, sagt Georg Ehring.

Oder eine leichte Erderwärmung bereite der hiesigen Landwirtschaft nur vergleichsweise geringe Probleme, weil Pflanzen angebaut werden könnten, die eher mit höheren Temperaturen klar kämen. Der stetige Temperaturanstieg wird massive Nachteile mit sich bringen, sagt Georg Ehring.