Jahrhunderthochwasser – dieser Begriff impliziert: Wir haben es mit einem Extremereignis zu tun, das nur sehr, sehr selten auftritt. Durch den Klimawandel werden Extremereignisse aber immer häufiger.

Nicht vor hundert, sondern vor sieben Jahren gab es in Deutschland die letzte Hochwasserkatastrophe. Damals traten vor allem in Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt die Flüsse über die Ufer und überschwemmten Dörfer und Gemeinden. Und auch die nächste Hochwasserkatastrophe in Deutschland wird nicht erst in hundert Jahren sein, sagt Carl-Friedrich Schleußner, Abteilungsleiter bei der Non-Profit-Organisation Climate Analytics und Leiter der Arbeitsgruppe zur Klimaforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin.

"Extremereignisse, die mit Starkfluten zu tun haben, und der Klimawandel in Deutschland werden immer weiter zunehmen und sehr viel häufiger werden."
Carl-Friedrich Schleußner, Abteilungsleiter bei der Non-Profit-Organisation Climate Analytics

Laut Carl-Friedrich Schleußner sollte man deshalb statt dem Begriff "Jahrhunderthochwasser" besser Extremflut oder Flutkatastrophe benutzen. Das ist vor allem wichtig, um der Bevölkerung zu signalisieren, dass diese extremen Katastrophen sich nicht mehr so selten ereignen werden, wie es in der Vergangenheit der Fall war.

Die Risiken des Klimawandels richtig kommunizieren

Ein wichtiger Teil der Verarbeitung der vergangenen Tage ist es deshalb auch, gemeinsam über die Ursachen der Katastrophe nachzudenken und diese damit in Zukunft so gut es geht zu verhindern wissen, sagt Carl-Friedrich Schleußner.

Dazu gehört auch die Frage, wie in Zukunft die Risiken und Folgen des Klimawandels kommuniziert werden. Denn die Hochwasserkatastrophe in Deutschland mache klar, dass und sich dementsprechend auch nicht darauf vorbereiten konnten.

"Das, was wir hier sehen, ist ein Ereignis, auf das die Menschen nicht vorbereitet waren und das sie sich nicht haben vorstellen können."
Carl-Friedrich Schleußner, Leiter der Arbeitsgruppe zur Klimaforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin

Für Carl-Friedrich Schleußner betritt die Menschheit derzeit unbekanntes Territorium. Deshalb sei es nun wichtig, dass alle lernen, was der Klimawandel für uns bedeute und dass es sich dabei nicht um ein zukünftiges Szenario handele, sondern um etwas, das im Hier und Jetzt geschehe.

"Wir müssen lernen, dass solche Ereignisse auftreten können und wir müssen sehr viel besser werden, zu verstehen, dass die Klimakatastrophe nicht ein zukünftiges Szenario ist, sondern heute, hier und jetzt passiert und tragischerweise auch ihre Opfer fordert."
Carl-Friedrich Schleußner, Abteilungsleiter bei der Non-Profit-Organisation Climate Analytics

Konsequenter Klimaschutz

Allerdings haben laut Carl-Friedrich Schleußner auch die Vorbereitungen auf Extremereignisse eine Grenze. Man könne sich nicht auf jedes Szenario vorbereiten. Noch wichtiger sei es deshalb, konsequent Klimaschutz zu betreiben, indem das Pariser Abkommen und auch das 1,5-Grad-Ziel eingehalten werden.

"Nur konsequenter Klimaschutz kann Risiken dieser Art in Zukunft eindämmen."
Carl-Friedrich Schleußner, Abteilungsleider bei der Non-Profit-Organisation Climate Analytics

Alle sind von den Folgen des Klimawandels betroffen

Uns in Deutschland trifft die Hochwasserkatastrophe auch besonders stark, da viele bisher das Gefühl hatten, dass man in Deutschland in den gemäßigten Breitengraden noch am sichersten vor den Folgen des Klimawandels sei.

Und man dürfe zudem nicht vergessen, dass es derzeit andere Länder noch stärker als uns treffe. Während Teile von Deutschland derzeit in den Aufräumarbeiten stecken, erlebt China eine Hochwasserkatastrophe, bei der die Niederschlagsmengen, die bei uns in 72 Stunden gefallen sind, teilweise in einer einzigen Stunde fallen, sagt Carl-Friedrich Schleußner.

"Wir dürfen nicht vergessen, dass das, was wir bei uns erfahren, natürlich in anderen Ländern auch passiert – und teilweise viel heftiger."
Carl-Friedrich Schleußner, Leiter der Arbeitsgruppe zur Klimaforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin