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Bei Fans denken wir an Fußball oder Popstars, weniger an Gemälde oder Museen. Denn bisher galt, dass es für den Kunstgenuss eine ruhige Betrachtung braucht und keine leidenschaftlichen Gefühle. Doch das ändert sich gerade, wie der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich in seinem Vortrag erklärt.

Fans sind Menschen, die Zeit oder Geld investieren, um eine enge Beziehung zu ihrem Fanobjekt aufzubauen. Bei Popstars und Fußballspielenden kennen wir das. Für bildende Kunstschaffende und ihre Gemälde, Installationen oder Kunstwerke gab es diese Art der Fankultur bislang nicht.

"Fan assoziiert man mit Fanatismus, mit unkontrollierten Emotionen und einem Mangel an Zivilisiertheit. Das widerspricht ganz klar dem Ideal des interesselosen Wohlgefallens."
Wolfgang Ullrich, Kunsthistoriker

Ein Kunstwerk zu betrachten, es zu schätzen und wahrzunehmen, erfordere, so meinen viele Fachleute, innere Ruhe, Ausgeglichenheit und sogar Abstand zu den eigenen Gefühlen. Immanuel Kant prägte dafür den Begriff des "interesselosen Wohlgefallens".

Von Ausgeglichenheit zu Leidenschaft

Fans hingegen wollen eine emotionale Beziehung zu ihrem Objekt, sie wollen an ihm teilhaben und es in irgendeiner Form besitzen. In den Sozialen Medien stößt nun eine ganz ähnliche Form der Fankultur zur sogenannten Hochkultur hinzu. Wo dieser Wandel schon zu sehen ist und was für Auswirkungen er hat, durchleuchtet der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich in seinem Vortrag.

"Dass Praktiken, die nur in der Popkultur üblich waren, jetzt auch in eine Bastion der Hochkultur Einzug halten, zeugt von einem gewaltigen Umbruch."
Wolfgang Ullrich, Kunsthistoriker

Am Beispiel des britischen Künstlers Damien Hirst erklärt er, wie Künstlerinnen und Künstler in den Sozialen Medien Fangemeinden aufbauen und wie sich ihre Kunst im Austausch mit diesen Fans verändert.

Der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich war Professor an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und ist seit 2015 freier Autor. Sein Vortrag hat den Titel "Fans. Eine neue Größe im Kunstbetrieb". Er hat ihn am Dienstag, den 25. Mai 2021 online gehalten im Rahmen der Reihe Carte Blanche III des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen.