Unternehmen, die viel CO2 ausstoßen, werben oft damit, dass sie als Ausgleich Wälder aufforsten. Diese Rechnung geht aber nicht auf, sagt Forstwissenschaftlerin Susanne Winter. Viel nachhaltiger wäre es, bestehende Wälder zu erhalten.

Fliegen und dafür ein paar Bäume pflanzen, um den CO2-Ausstoß auszugleichen – klingt logisch, funktioniert in der Realität aber kaum. Das liegt auch daran, dass Aufforstung ein Versprechen für die Zukunft ist. Doch niemand weiß, wie alt diese neu gepflanzten Bäume werden und wie viel CO2 sie letztendlich speichern.

Alte Wälder notwendig für Biodiversität und Klimaschutz

Die alten, über Jahrhunderte gereiften Wald-Ökosysteme hingegen speichern nicht nur in den Bäumen CO2, sondern auch in den anderen Pflanzen und vor allem im Boden, erklärt Forstwissenschaftlerin Susanne Winter. Sie sind reich an Lebensräumen, von denen vier von fünf Tierarten weltweit abhängig sind. Aufgeforstete Flächen hingegen sind kohlenstoffarm und bieten wenig für Biodiversität.

"Von den alten Wäldern verlieren wir weltweit durchschnittlich zehn Millionen Hektar pro Jahr – das entspricht der gesamten Waldfläche Deutschlands."
Susanne Winter, Leiterin des Programms Wald bei WWF

Ganz grundsätzlich gilt: Die Aufforstung kommt nicht hinterher. Von der Fläche, die wir weltweit jedes Jahr an Wald verlieren, wird nur etwa die Hälfte aufgeforstet – und das mit jungen Bäumen, die anfälliger sind, wenig Kohlenstoff speichern und kaum Lebensraum bieten.

Um wirkungsvoll das Klima zu schützen, reicht eine Kompensation der Emissionen so oder so nicht aus, so die Expertin. Statt bei jedem Flug Bäume zu pflanzen, müssten generell Flüge gestrichen werden, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu vermeiden und zu reduzieren. Doch der weltweite Flugverkehr geht nicht zurück – er wirbt nur öfter mit Kompensationskonzepten.

"Die meisten Kompensationsanbieter haben keine glaubwürdigen Ansätze tatsächlich, dauerhaft und zusätzlich CO2 einzusparen."
Susanne Winter, Leiterin des Programms Wald beim World Wide Fund for Nature (WWF)

Zudem sei die Rechnung der meisten Kompensationsanbieter außerdem meistens falsch. Sie berechnen häufig nur den CO2-Ausstoß der jeweiligen Flugstrecke. Das Umweltbundesamt geht allerdings davon aus, dass diese Zahl mal drei genommen werden müsste, da der Schaden für die Atmosphäre aufgrund der Flughöhe höher ist.

Echter Klimaschutz ist teuer

Das Grundproblem vieler Kompensationsansätze sieht die Expertin auch darin, dass vor allem in den Ländern des globalen Südens kompensiert wird, etwa in Form von Aufforstung. Seit des Pariser Klimaabkommens von 2015 sind diese aber selbst verpflichtet, ihre Emissionen zu senken.

Das bedeutet, alles, was relativ schnell und mit wenig Aufwand umgesetzt werden kann, setzen die Länder selbst um. Alles, was darüber hinaus geht, ist meist ziemlich teuer, etwa die Investition in neue Technologie.

"Statt Kompensationsangeboten zu verfallen, sollten wir lieber Länder unterstützen, ihre versprochenen Emissionsreduktionen zu erreichen."
Susanne Winter, Leiterin des Programms Wald bei WWF

Statt also beim nächsten Flug darauf zu achten, ob dafür aufgeforstet wird, sollten wir lieber Projekte unterstützen, die tatsächlich wirkungsvoll das Klima schützen. Die Expertin bezeichnet das als "Contribution Claim". So könnten wir beispielsweise Kenia durch Spenden direkt bei der Umsetzung der eigenen Klimaziele unterstützen.

Das gilt natürlich nicht nur für Länder des globalen Südens: In Deutschland müssten jedes Jahr mehrere Tausend Hektar Moore renaturiert werden. Bisher sind es allerdings nur wenige Hundert. Sinnvoll wäre es also, in Moorprojekte zu investieren und so einen ehrlichen Beitrag für den Klimaschutz zu leisten – ohne Kompensationsversprechen.