• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Moore machen nur 3 Prozent der Landfläche aus, aber sie speichern extrem viel Kohlenstoff – mehr als Wälder. Warum sie trotzdem abgebaut werden, was wir damit zu tun haben und welche Alternativen es gibt.

Hans Joosten wurde gerade mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet. Er forscht seit Jahrzehnten an der Uni Greifswald zu Mooren, und er sagt, dass die Moore doppelt so viel Kohlenstoff binden können wie die Wälder dieser Erde. Ein kurzer Größenvergleich: Während Moore 3 Prozent der Landfläche ausmachen, nehmen Wälder 30 Prozent auf der Landkarte ein.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Pflanzen wandeln CO2 der Luft mithilfe von Sonnenlicht in Pflanzenmasse um. Sie entziehen es der Luft und speichern es als organische Kohlenstoffverbindung. Im Moor speichern vor allem Torfmoose den Kohlenstoff. Wenn sie absterben, werden sie wegen der Feuchtigkeit im Moor nicht abgebaut.

Neue Pflanzen wachsen auf den abgestorbenen und das CO2 bleibt weiter gebunden – das ist normalerweise anders. Nach dem Tod eines Baums beispielsweise reagiert der in ihm gebundene Kohlenstoff beim Zersetzen mit Sauerstoff und wird als CO2 frei.

"In Mooren wird mehr Biomasse produziert als abgebaut wird, und infolgedessen sammelt sich diese Biomasse an zu Schichten organischen Materials. Und diese Schichten heißen Torf."

Torf für Blumenerde und Lebensmittelanbau

Moore spielen demnach eine wichtige Rolle bei der Erderwärmung – sie beeinflussen die CO2-Emissionen oder vielmehr die CO2-Reduktion. Trotzdem werden sie abgebaut. Denn der Torf, die Pflanzenmasse, die den Kohlenstoff nachhaltig speichert, ist begehrt.

Torf steckt zum Beispiel in Blumenerde, oder wird genutzt, um Gemüse oder Obst anzupflanzen. Aber um ihn zu fördern, muss man Moore trockenlegen. Und bei dieser Entwässerung kommt der Torf mit Sauerstoff in Kontakt, wird zersetzt und so wird auch das CO2 wieder frei.

"Fast all unsere Gemüse, die wir essen, und fast alle Pflanzen, die wir haben, unsere Obstbäume, die werden auf Torf groß gezüchtet. Dafür verwenden wir in Deutschland acht Millionen Kubikmeter Torf pro Jahr."

Die Bilanz: In Deutschland wurden schon fast 95 Prozent der Moore trockengelegt, weltweit ist es ein Fünftel. Der Torf, der heute in Deutschland verwendet wird, kommt vor allem aus dem Baltikum. Moore werden hierzulande zum Teil wieder verwässert und renaturiert. In einem BR-Interview sagte Hans Joosten, die entwässerten Moore seien weltweit für rund zwei Gigatonnen Emissionen verantwortlich – doppelt so viel wie der kommerzielle Flugverkehr pro Jahr.

Torf-Alternativen und Moor-Renaturierung

Der Abbau der Moore geht weiter. Das macht Joostens Forschungsgebiet umso wichtiger: Er versucht zum Beispiel, Torfmoose anzubauen und den Torf aus den Mooren durch diese gewonnene Biomasse zu ersetzen. Gleichzeitig erforschen er und sein Team, wie man trockengelegte Flächen wieder in Feuchtflächen verwandeln kann.

Im Alltag hilft es vor allem, Blumenerde ohne Torf zu kaufen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz hat zum Beispiel eine Liste zusammengestellt, welche Bau- und Gartenmärkte torffreie Erde führen, die eine gute Alternative ist.