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Klimaneutralität ist auf verschiedenen Wegen erreichbar. Zum Beispiel durch den Kauf von Zertifikaten, die nachweisen, dass irgendwo Bäume gepflanzt wurden. Ein Verein will, dass dieses Vorgehen für die Verbraucher transparent gemacht wird.

Mit dem Wort "klimaneutral" wird eine ganze Reihe von Produkten beworben: beispielsweise klimaneutrale Sneaker, klimaneutrales Shampoo, klimaneutraler Versand und sogar ein klimaneutrales Auto. Für die Verwendung des Begriffs gibt es momentan keine verbindlichen Regeln. Die Wettbewerbszentrale, eine Selbstkontrollinstitution, die sich gegen unlauteren Wettbewerb einsetzt, hat gegen vier Unternehmen geklagt.

Der Vorwurf: Die Bezeichnung klimaneutral werde irreführend verwendet.

Zertifikate machen klimaneutral

Produkte, die das Label klimaneutral tragen, sind genau das in den meisten Fällen nicht, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz. Die Vorstellung, dass während der Herstellung dieser Produkte keine Treibhausgase entstehen, sei überwiegend falsch. Klimaneutral wird meistens etwas, weil Zertifikate gekauft werden. Deswegen klagt die Wettbewerbszentrale.

Vor einigen Jahren hat die Wettbewerbszentrale einem großen Kartoffelprodukthersteller gerichtlich untersagen lassen, auf sein Produkt zu schreiben, er sei der weltweit erste einhundertprozentig klimaneutrale Tiefkühl-Kartoffelspezialist.

Die Formulierung suggeriert, dass vom Anbau über Ernte, Verarbeitung, Transport bis zur Lagerung und Verpackung bei diesem Kartoffelprodukt keine Emissionen entstehen. Dabei wurden auch hier lediglich kompensierende Zertifikate gekauft.

Zertifikate mit vagem Kompensationseffekt

Je nachdem, wo die Zertifikate gekauft werden, sind sie günstiger als in Europa, sagt Matthias Finkbeiner von der Technischen Universität Berlin. Sein Fachgebiet ist Sustainable Engineering.

Unterm Strich könnten einzelne Maßnahmen in den Entwicklungsländern durchaus ökologisch sinnvoll sein, sagt er. Nur sei das Ausmaß der CO2-Kompensation nicht sicher bestimmbar.

"Es ist nicht sichergestellt, dass damit die entsprechende Menge CO2 aus der Atmosphäre entfernt wird."
Matthias Finkbeiner, Fachgruppe Sustainable Engineering, Technische Universität Berlin

Bei einer der aktuellen Klage der Wettbewerbszentrale gegen einen großen Lebensmitteldiscounter geht es unter anderem um die Formulierungen:

  • "Erster klimaneutraler Lebensmitteleinzelhändler"
  • "Wir handeln klimaneutral"

Der Verein möchte erreichen, dass die Hersteller transparenter auf den Produkten machen müssen, welche Rolle Zertifikate bei der Klimabilanz spielen und ob oder wie viel CO2 in der Produktion eingespart wurde. Die Unternehmen müssten sich wirklich schon die Mühe machen, die Umweltbelastung der Produkte zu reduzieren, findet Matthias Finkbeiner.

"Wenn wir wirklich klimaneutral werden wollen, ist es nicht damit getan, dass ich irgendwo ein günstiges Projekt finde, wo ich dann für zehn Euro die Tonne CO2 kompensieren kann."
Matthias Finkbeiner, Fachgruppe Sustainable Engineering, Technische Universität Berlin

Diese Informationen sei bislang nur auf den Seiten der Händler und Hersteller nachlesbar, sagt Verena.

"Da steht dann eben so gut wie nie, dass bei der Herstellung eingespart wird, sondern dass kompensiert wurde."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin