In Bonn beginnt am 6. November die UN-Klimakonferenz. Rund 25.000 Teilnehmer sprechen über den Klimaschutz – deshalb soll auch die Konferenz an sich möglichst nachhaltig ablaufen. Wir haben uns angeschaut, was das genau heißt.

Georg Ehring, Deutschlandfunk
"Die COP 23 ist ein Fest für Juristen."

Konkret geht es bei der COP 23 um das Regelbuch des Paris-Abkommens von 2015, erklärt Georg Ehring. Dort hatte die Weltgemeinschaft beschlossen, die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen. Das Kleingedruckte wurde damals allerdings ausgelassen – das sei zu kompliziert gewesen, daher fange man jetzt erst damit an, so Ehring.

Nachhaltig zur Nachhaltigkeit

Eine Konferenz, die nachhaltige Beschlüsse für das Weltklima anstrebt, will auch selbst möglichst nachhaltig sein: Auf der Homepage der COP 23 heißt es, dass die Konferenz am Ende vollständig kohlenstoffneutral sein soll. 

  • Papier soll, soweit es geht, durch digitale Dokumente ersetzt werden
  • Es gibt Trinkwasserbrunnen, damit nicht so viele Plastikflaschen genutzt werden
  • Die zwei Konferenzorte in Bonn sind mit elektrischen Shuttles verbunden, deren Strom aus erneuerbaren Quellen kommt
  • Außerdem stehen noch 600 Fahrräder bereit

Papier weglassen ist zwar schön. Doch wie ist das mit der Anreise der Delegierten aus der ganzen Welt? Bei der deutschen Delegation wurde das recht vernünftig gelöst: Sie wurde von der Deutschen Bahn mit einem klimaneutralen Sonderzug nach Bonn kutschiert. Der Löwenanteil der Emissionen der COP 23 kommt aber über die Langstreckenflüge zusammen. 

Die bösen Langstreckenflüge

Unsere Reporterin Anna Kohn hat eine Beispielrechnung gemacht:

  • Angenommen, die rund 25.000 Teilnehmer (197 Delegationen und rund 500 NGOs) würden sich etwa gleich auf die NGOs und die Politiker verteilen, dann kämen aus einer Delegation im Schnitt etwa 35 Leute. 
  • Wenn diese 35 Leute von Washington nach Köln/Bonn geflogen kommen, sind das – wenn sie Economy fliegen würden – mehr als 106.000 Kilogramm CO2 für den Hin- und Rückflug. In der First Class wären es sogar mehr als doppelt so viel. 
  • Zum Vergleich: Ein Jahr Autofahren setzt ungefähr 2000 Kilogramm CO2 frei.

Die Konferenz stattdessen komplett per Video abzuhalten, ist zwar vielleicht für das Klima während der Konferenz, nicht aber langfristig die beste Lösung.

Eine Video-Klimakonferenz?

Denn um konkrete Vereinbarungen zugunsten des Weltklimas zu treffen, macht es schon Sinn, dass die Delegierten im persönlichen Austausch zusammenkommen. Das sagt auch Michael Müller von der Energie.Agentur NRW, Experte für klimaneutrale Veranstaltungen.

"Man könnte die Teilnehmerzahl der COP limitieren. Alles über Video zu machen würde aber dem Charakter so einer Konferenz nicht entsprechen."
Michael Müller, Energie.Agentur NRW

Die Emissionen, die vom Fliegen übrig bleiben, lassen sich eigentlich nur mit Geld ausgleichen – man kann sich also quasi "freikaufen".

"Man muss die Flug-Emissionen zählen und kompensiert sie dann mit einem Klimaschutzprojekt, das Emissionen in gleicher Höhe einspart."
Michael Müller, Energie.Agentur NRW

Auf der Seite der Klimaschutzorganisation atmosfair könnt ihr das ausrechnen: Die theoretischen 35 Hin- und Rückflüge von Washington könnte die Konferenz mit etwas über 6000 Euro ausgleichen.

So funktioniert das übrigens auch bei den Industriestaaten:

  • Eine Industrienation verursacht Emissionen
  • Dafür sponsert sie dann in einem Entwicklungsland ein Projekt, mit dem Emissionen gemindert werden, und kann so ihre eigenen Emissionen ausgleichen
"Bei der COP 23 sollen vor allem Projekte auf Inselstaaten unterstützt werden – weil Fidschi ja den Vorsitz hat."
Anna Kohn, Deutschlandfunk Nova

Auf dem Papier könnte es die Weltklimakonferenz so dann am Ende eben doch noch schaffen, klimaneutral zu sein.