Die Klimakrise kann uns lahmlegen. Und uns Angst machen vor der dem, was kommt. Das spüren vor allem die Jüngeren. Die Eco-Anxiety ist seit 2017 bekannt und britische Forschende fordern jetzt, sie ernst zu nehmen. Denn sie verbreitet sich.

Beinah täglich erfahren wir, in welchen Teilen der Erde der Klimawandel schon Schaden angerichtet hat und wo es noch schlimmer werden wird. Der aktuelle Bericht des Weltklimarats IPCC brachte im August auch keine besseren Nachrichten, sondern war ein drastischer Weckruf, endlich zu handeln.

Eco-Anxiety ernst nehmen

Diese Nachrichten können sich überwältigend anfühlen, fast schon wie eine Ohnmacht, bei der man weder vor noch zurück weiß. Es ist eine Abwärtsspirale. Psychologinnen und Psychologen sprechen dann von der Eco-Anxiety, der Klima-Angst.

Wie akut das Problem der Eco-Anxiety gerade unter jungen Menschen ist, beschreiben Forschende jetzt noch einmal im British Medical Journal. Vielmehr fordern sie in der bekannten Fachzeitschriften für Medizin die Eco-Anxiety ernst zu nehmen.

Das Gefühl, im Stich gelassen zu werden

Eine Umfrage aus den USA zeigt 2017 schon, dass sich die Mehrzahl der jüngeren Menschen entweder Sorgen um ihre Kinder macht oder wegen solcher Sorgen beschlossen haben, keine Kinder zu bekommen.

Seitdem ist die Eco-Anxiety als Phänomen bekannt. Eine psychiatrische Diagnose wie zum Beispiel bei Depressionen gibt es zwar noch nicht. Studien weltweit zeigen aber, dass die Sorgen um die Zukunft der Erde zunehmen und krank machen können. Im vergangenen Jahr hat alleine in Großbritannien die Hälfte der Kinderpsycholog*innen bei einer Umfrage angegeben, sie würden Patient*innen behandeln, denen die Klimakrise Angst macht.

Ohnmacht, Enttäuschung, Angst

Die Symptome der Klima-Angst ähneln denen einer Depression oder Angststörung. Zudem kommt bei der Eco-Anxiety das Gefühl hinzu, im Stich gelassen zu werden – von den älteren Generationen wie die unserer Eltern und der Politik. Also denjenigen, die handeln können, es aber nicht ausreichend tun, wie eben zuletzt der Bericht vom Weltklimarat gezeigt hat.

Bei den Jüngeren machen sich dadurch die Ohnmacht, die Enttäuschung und die Angst vor einer unsicheren Zukunft breit. "Das sind alles sehr starke Gefühle, die, wenn sie verstärkt auftreten, auch krank machen können", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Veronika von Borries.

Aktiv werden gegen die Angst

Ähnlich wie bei Angststörungen raten Psycholog*innen auch bei der Eco-Anxiety dazu, aktiv zu werden. Das heißt: Etwas unternehmen, was uns guttut, Zeit in der Natur verbringen, Sport machen und mit Freund*innen über die Ängste sprechen.

Dann hilft es auch, die Angst erst einmal zu akzeptieren. Die Klimakrise betrifft uns und unsere Zukunft. Es ist okay, Angst davor zu haben. Wir sollten uns auch klar machen, dass wir die Krise nicht als Einzelperson lösen können – auch, wenn wir unser Leben so klimafreundlich wie möglich gestalten. Daher lohnt es sich, weiter auf die Straße zu gehen, zu demonstrieren und weiter aktiv zu sein.

Mehr darüber, wie ihr achtsam mit der Klima-Angst umgehen könnt, erfahrt ihr hier.

Lass dir helfen!

Bestimmte Dinge beschäftigen dich im Moment sehr? Du hast das Gefühl, in einer ausweglosen Situation zu stecken? Wenn du dir im Familien- und Freundeskreis keine Hilfe suchen kannst oder möchtest, findest du hier einige anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:

  • Telefonseelsorge: Unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222 erreicht ihr rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen ihr über eure Sorgen und Ängste sprechen könnt. Auch ein Gespräch via Chat oder E-Mail ist möglich.
  • Kinder- und Jugendtelefon: Der Verein "Nummer gegen Kummer" kümmert sich vor allem um Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 116 111.
  • Hier findest du eine Übersicht von Telefon- und Online-Beratungen in Deutschland: suizidprophylaxe.de.
  • Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030-44 35 09 821 zu erreichen. Bei MuTeS arbeiten qualifizierte Muslime ehrenamtlich. Ein Teil von ihnen spricht auch türkisch.

Hinweis der Redaktion: Unser Bild zeigt eine Klimademo im Januar 2020.