Selbst Mitglieder der Klimabewegung "Fridays for Future" schauen fast hoffnungslos auf das, was mit unserem Planeten geschieht. Der Ausstoß von schädlichen Gasen nimmt weiter zu – trotz aller Klimaziele. Der Theologe Thomas Ruster und die Umweltakivistin Jana Boltersdorf klingen nicht sehr optimistisch.

Das Zukunftszenario, das der katholische Theologe Thomas Ruster in seinem Vortrag entwirft, sieht sogar recht düster aus. Er glaubt noch nicht einmal daran, dass unsere Demokratie die Staatsform ist, die das Klimaproblem in den Griff bekommen kann. Sämtliche Mechanismen, wie sie unsere Politiker tagtäglich ausübten, seien mit der Natur nicht zu machen. Lange Verhandlungen, Rücksichtnahmen auf die Mehrheit der Bevölkerung und sogar Kompromisse: All das eigne sich überhaupt nicht, um die Erde vor dem Kollaps zu bewahren.

"Von diesem Kapitalismus wird man nicht erwarten können, dass er nun die Probleme löst, die er selbst angerichtet hat."
Thomas Ruster, Theologe

Letztlich bliebe aus christlicher Sicht – so Thomas Ruster – aber noch die Hoffnung auf den Heiligen Geist. Die biblische Erfahrung lehre uns, dass er selbst ausweglos erscheinende Situationen noch gewendet hat.

Aktivisten wollen alles versuchen

Dem widersprach die Umweltaktivistin und Schülerin Jana Boltersdorf energisch. Sie engagiert sich schon von Anfang an für die Bewegung "Fridays for Future". Und wenn es nur die Hoffnung von einem Prozent auf Rettung gäbe, müssten wir alles versuchen, was noch möglich sei – so die Aktivistin.

"Manchmal denke ich, dass wir als Klimabewegung ziemlich hoffnungslos sind in Anbetracht der Situation. Aber da frage ich mich, was denn die Alternative wäre."
Jana Boltersdorf, Fridays for Future

Nach Thomas Ruster und Jana Boltersdorf handeln die Menschen nicht vernünftig. Diese Einschätzung teilen beide angesichts des gigantischen und immer schneller werdenden Verbrauchs von Ressourcen. Unsere Konsumgier lasse sich eben perfekt in unserem Wirtschaftssystem befriedigen. Und wer dagegen ankämpfe, müsse auch gegen Menschen kämpfen. Jana Boltersdorf meint, dass der Staat deshalb nicht ohne staatliche Eingriffe, also Verbote, auskommen werde.

Thomas Ruster ist katholischer Theologe an der Technischen Hochschule Dortmund. Ruster lehrt dort Dogmatik und Systematische Theologie. Er hat auf der gemeinsamen Veranstaltung der Evangelischen Akademie im Rheinland und der Melanchthon-Akademie Köln am 13. November 2019 über das Thema "Noch Hoffnung? Fridays for Future und der Anspruch christlicher Hoffnung" vorgetragen. Im Anschluss nahm die Schülerin und Umweltaktivistin Jana Boltersdorf dazu Stellung. Veranstaltungsort war die evangelische Trinitatiskirche in Köln.