Das Tempo des Temperaturanstiegs ist in der Schweiz doppelt so hoch wie im weltweiten Durchschnitt. Permafrostböden tauen auf, Gletscher ziehen sich zurück, dadurch werden sich Bergstürze künftig häufen.

Einer der größten Bergstürze der letzten Jahrzehnte ereignete sich 2017 in der Schweiz. Gerölllawinen rasten ins Tal Bergell hinunter und überrollten den Ort Bondo. Acht Wanderer kamen bei diesem Bergsturz ums Leben. 

Naturkatastrophen dieser Art sind eine direkte Folge des Klimawandels. Die kritische Marke der Erwärmung von zwei Grad ist in Teilen der Schweiz bereits erreicht. Das führt dazu, dass Dauerfrostböden auftauen und Gletscher sich zurückziehen. Gerölle und Gesteinsmassen, die vom Eis festgehalten wurden, lockern sich - Felsen verlieren dadurch ihre Stabilität. Risse entstehen, Bergstürze können die Folge sein. 

Auch wenn es gelingen sollte, weltweit die Erderwärmung zu bremsen, sind Folgen für die Schweiz jetzt schon unvermeidbar. Deswegen befassen sich Forscher damit, das Risiko und Ausmaß von künftigen Bergstürzen unter Kontrolle zu halten. Sie haben Gefahrenkarten für die Schweiz erstellt. Und an Orten wird in den Schutz investiert: Instabile Bergwände werden mit Sensoren überwacht und Schutzwälle gebaut. Die Einwohner mancher Orte werden umgesiedelt. 

"Wenn der Schnee fehlt, fehlt die Reflexion und die ganze Sonnenenergie geht in die Erwärmung des Bodens über."
Reto Knutti, Klimaforscher an der ETH Zürich

Auch der Tourismus stellt sich jetzt schon darauf ein, dass es in wenigen Jahrzehnten keinen Schneetourismus mehr geben wird, mit dem das Land um Besucher werben kann. Die Branche verlagert ihren Schwerpunkt jetzt schon auf Aktivitäten, die ohne Schnee und Eis auskommen.

Schutzmaßnahmen für Gletscher

Forscher denken außerdem über Möglichkeiten nach, die Gletscher zu schützen, zum Beispiel, indem Gletscher im Sommer mit Folie abdeckt, werden oder man das Schmelzwasser auffängt und mit Schneekanonen wieder auf den Gletscher sprüht. Klimaforscher wie Reto Knutti von der ETH Zürich sehen solche Pläne kritisch. Der Wissenschaftler geht davon aus, dass so etwas nur punktuell helfen, nicht aber das Abschmelzen der Gletscher verhindern kann. 

"Grundsätzlich denke ich, ist der bessere Ansatz, dass man versucht, den Klimawandel zu verhindern. Im Normalfall kommt das billiger, als mit technischen Möglichkeiten das anderweitig zu lösen."
Reto Knutti, Klimaforscher an der ETH Zürich